Werden staatliche Regeln und Privilegien beseitigt, die den Wettbewerb behindern, profitiere davon die breite Bevölkerung. Zu diesem Schluss kommt Federico Sturzenegger, früherer Harvard-Professor und heutiger Argentiniens Minister für Deregulierung und Staatstransformation, in einem Beitrag für die Fachzeitschrift Kyklos, der auf seiner Reichmuth & Co Lecture vom 24. September 2025 an der Universität Zürich beruht. Der Vortrag fand auf Einladung des Instituts für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) statt.
Damit stellt Sturzenegger eine Annahme infrage, die in den 1990er-Jahren unter Ökonomen verbreitet war: Reformen seien zunächst schmerzhaft. Wer Subventionen streiche oder Staatsausgaben kürze, belaste zuerst die Bevölkerung und verliere dann ihre Unterstützung. Deshalb gingen Regierungen in kleinen Schritten vor oder zögerten ganz. Die argentinische «Kettensägen-Reform» unter Javier Milei zeige hingegen, dass der Nutzen solcher Reformen rasch sichtbar werden könne: Nach der Aufhebung der strengen Mietregulierung seien die Mieten in Buenos Aires innert weniger Monate real gesunken.
Das Kernproblem starrer Strukturen seien mächtige Interessengruppen, die die Konkurrenz vom Markt fernhielten und so die Preise für alle in die Höhe trieben. Sturzenegger, zugleich Wirtschaftsprofessor an der Universidad de San Andrés in Buenos Aires, leitet daraus eine Strategie ab: Regierungen sollten Reformen nicht einzeln und zögerlich, sondern rasch und gebündelt umsetzen. So werde die Macht jener Gruppen geschwächt, die von bestehenden Privilegien profitierten, bevor diese Widerstand organisieren könnten. Sobald die Vorteile spürbar würden, gewännen die Reformen auch politischen Rückhalt.
Im Artikel erfahren Sie zudem:
- Weshalb die ersten Monate einer Regierung das grösste Zeitfenster für Reformen bieten.
- Wie zwei Stapel vorbereiteter Gesetzesänderungen den Kettensägen-Ansatz erst möglich machten.
- Warum die Schwächung von Interessengruppen («Vetospielern») wichtiger ist als institutioneller Umbau.