«Das Londoner Schuldenabkommen von 1953 hat die Schuldenfrage für die BRD endgültig geregelt», sagt Prof. Dr. Tobias Straumann, Professor für Wirtschaftsgeschichte an der Universität Zürich. Im Gespräch mit Prof. Dr. Christoph A. Schaltegger, Direktor des Instituts für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) an der Universität Luzern, spricht Straumann über die Bedeutung eines Schuldenschnitts für den wirtschaftlichen Wiederaufstieg der Bundesrepublik Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Dieser habe die D-Mark zu einer frei konvertierbaren Währung gemacht und deutschen Unternehmen den Weg zum internationalen Kapitalmarkt wieder geöffnet.
Möglich sei dies erst durch einen politischen Kurswechsel der Alliierten gegenüber Deutschland geworden. Anders als nach dem Ersten Weltkrieg in Versailles hätten die Siegermächte diesmal bewusst einen sorgsamen Umgang mit dem Verlierer gewählt. US-Aussenminister Dean Acheson sei der eigentliche Motor der Verhandlungen gewesen, die er trotz innenpolitischen Gegenwinds vorangetrieben habe. Der Leiter der deutschen Delegation, Hermann Abs, habe die amerikanischen Forderungen in Deutschland erklären und zugleich die Vorgaben von Bundeskanzler Konrad Adenauer umsetzen müssen. Den langwierigen Weg bis zum Abschluss des Abkommens schildert Straumann detailliert in seinem Buch «Out of Hitler's Shadow. Debt, Guilt, and the German Economic Miracle».
Welche Bedingungen die Bundesrepublik Deutschland für den Schuldenschnitt erfüllen musste und auf welche Forderungen die Siegermächte verzichteten, erfahren Sie im Video.
Weitere Themen des Gesprächs:
- Warum die These, allein der Kalte Krieg habe die USA zur Grosszügigkeit gegenüber Deutschland gezwungen, laut Straumann zu kurz greift.
- Wie der Koreakrieg, Maos Sieg in China und die McCarthy-Ära in den USA die aussenpolitische Position Achesons innenpolitisch unter Druck setzten.
- Was der Schuldenschnitt für Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Schuldenschnitt für Griechenland von 2015 gemeinsam hat.