Studien
IWP 12. August 2026

Wer zahlt wirklich? Die unterschätzte Solidarität im Schweizer Gesundheitswesen.

Blurred view into an operating theatre through a porthole in a door in a hospital with unrecognisable people.

Ein Kioskverkäufer bezahlt für die Grundversicherung der Krankenkasse dieselbe Prämie wie eine Anwältin. Ist das unsolidarisch? Nur auf den ersten Blick. Denn wer wissen will, wer im Schweizer Gesundheitswesen tatsächlich für wen bezahlt, darf nicht allein auf die Krankenkassenprämien schauen. 

Dr. Melanie Häner-Müller und Nina Kalbermatter vom Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) haben deshalb die gesamten Umverteilungsströme in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung aufgezeigt. Dazu zählen neben den Prämien auch Prämienverbilligungen, Steuern und der unterschiedliche Bezug medizinischer Leistungen. Grundlage ihrer Analyse ist die Swiss Inequality Database (SID) Health des IWP. 

Das Ergebnis verändert das Bild deutlich: Einkommensstarke Personen tragen einen erheblichen Teil der Finanzierung während untere Einkommen deutlich entlastet werden. Die viel kritisierte fehlende Solidarität erweist sich damit als weit kleineres Problem, als der Blick auf die einheitliche Prämie vermuten lässt. 

Für die Autorinnen folgt daraus: Statt die Umverteilung weiter auszubauen, sollte die Politik beim eigentlichen Problem ansetzen – bei den steigenden Gesundheitskosten. Entscheidend ist, wie medizinische Leistungen durch bessere Koordination und Transparenz effizienter erbracht werden können. 

Im Artikel erfahren Sie: 

  • wie stark zwischen den Einkommensgruppen tatsächlich umverteilt wird; 
  • welche Rolle Prämienverbilligungen, Steuern und Gesundheitsleistungen spielen; 
  • mit welchen Reformen sich die medizinische Versorgung effizienter gestalten liesse.