In der Privatwirtschaft liegt der durchschnittliche Jahreslohn für eine Vollzeitstelle bei knapp 90’000 Franken. In der Bundesverwaltung ist er mit rund 120'000 Franken deutlich höher. Auch in den Gemeinde- und Kantonsverwaltungen liegen die Löhne im Durchschnitt über denjenigen in der Privatwirtschaft. Ein wichtiger Grund für diesen Unterschied ist die verhältnismässig hohe Zahl von gut ausgebildeten und erfahrenen Fachkräften, die die Verwaltungen beschäftigen.
Aussagekräftiger als ein Vergleich von Durchschnittswerten ist daher ein direkter Vergleich der einzelnen Angestellten: Verdient auch bei gleicher Qualifikation mehr, wer beim Bund statt in der Privatwirtschaft arbeitet? Dieser Frage sind Dr. Marco Portmann, Prof. Dr. Christoph A. Schaltegger und Fredrik Blümel vom IWP in ihrer neuen Studie «Lohnprämie für Staatsangestellte: Verwaltungslöhne unter der Lupe» nachgegangen. Dazu haben sie «statistische Zwillinge» in der Privatwirtschaft und der Verwaltung miteinander verglichen: Angestellte mit dem gleichen Alter, Geschlecht, Bildungshintergrund und weiteren identischen Merkmalen.
Wie die folgenden Grafiken zeigen, existieren auf allen Verwaltungsebenen Lohnprämien gegenüber der Privatwirtschaft. Im Durchschnitt beträgt sie in der Bundesverwaltung 11.6 Prozent, in den Kantonsverwaltungen 4.3 Prozent und in den Gemeindeverwaltungen 3.4 Prozent.
Auf allen Verwaltungsebenen weisen die tiefen Löhne die höchsten Lohnprämien auf. Beim Bund ist sie mit bis zu 16.8 Prozent besonders hoch. Mit steigendem Einkommen sinken die Lohnprämien: bei den höchsten Löhnen betragen sie beim Bund noch 6.5 Prozent. In den kommunalen und kantonalen Verwaltungen entsprechen die hohen Löhne in etwa Marktlöhnen. Nur in den Gemeinden liegen die höchsten Löhne leicht unter jenen der Privatwirtschaft.
Diese Lohnprämien sind von grosser Relevanz für den Arbeits- und den Bildungsmarkt. Der Staat ist der grösste Arbeitgeber in der Schweiz und übt damit automatisch auch grossen Einfluss auf den Arbeitsmarkt aus. Wenn er systematisch höhere Löhne bezahlt als der Privatsektor, verzerrt dies den Wettbewerb um Talente. Private Arbeitgeber sind gezwungen, ihre Löhne anzuheben, um mithalten zu können. Gleichzeitig übt der Staat mit seinem Stellenangebot einen grossen Einfluss auf den Bildungsmarkt aus. Studenten entscheiden sich eher für Studienfächer, mit denen sie mehr Chancen auf eine attraktive Stelle in den Verwaltungen haben. Dabei üben die Lohnprämien in den Verwaltungen nicht nur Druck auf die Privatwirtschaft aus. Auch zwischen den Staatsebenen herrscht Wettbewerb. Die Lohnprämie des Bundes setzt Kantone und Gemeinden unter Druck. Wenn der Bund die talentiertesten Fachkräfte beschäftigen kann, bleibt dies nicht ohne Folgen für den Föderalismus.