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IWP 21. Oktober 2026

«15 Jahre Merkel rückabwickeln», sagt Hans-Werner Sinn.

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«Wir sind in einer so grossen Krise, wie es sie seit dem Krieg nicht gegeben hat», sagte der ehemalige Präsident des ifo-Instituts Prof. em. Dr. Dr. h.c. mult. Hans-Werner Sinn in seinem Vortrag an der Tagung zu Ehren von Lars Feld am Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) an der Universität Luzern. Deutschland sei seit 2018 zusammen mit Japan Schlusslicht der OECD beim Wirtschaftswachstum. Besonders deutlich zeige sich das im verarbeitenden Gewerbe: Seit 2018 sei die reale Produktion um 16 Prozent eingebrochen, in der Automobilindustrie um 25, im Maschinenbau um 23 und in der Chemie um 22 Prozent. Die privaten Nettoinvestitionen seien negativ. Dass der Staat sie nun mit schuldenfinanzierten Ausgaben für Rüstung und Infrastruktur ersetze, erzeuge zwar einen kurzfristigen Nachfrageeffekt, aber kein echtes Wachstum. Es handle sich nicht um eine konjunkturelle Schwäche, sondern um ein tiefgreifendes strukturelles Problem. Die Schweiz dagegen sei von dieser Entwicklung offenbar unberührt.

Als Ursachen nennt Sinn den Bruch mit Russland, Trumps Zollpolitik, die Demografie, eine konsumorientierte Wirtschaftspolitik unter Angela Merkel, schwache Schulen, die Brüsseler Regulierung und eine unilaterale Klimapolitik. Am schwersten wiege die Demografie: 2025 habe Deutschland so wenige Geburten verzeichnet wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr, und bis 2035 werde die Zahl der über 65-Jährigen gegenüber dem Jahr 2000 um neun Millionen steigen, während die Erwerbsbevölkerung um 6,6 Millionen schrumpfe. Sinns Empfehlungen lauten: länger arbeiten, «Workfare» statt «Welfare», zurück zur Kernenergie. Kurzfristig könnten beschleunigte Abschreibungen die Investitionen beleben. Zudem gehöre die ESG-Gesetzgebung der EU zu Umwelt, Sozialem und Unternehmensführung abgeschafft und Europa müsse sich zu einer militärischen Union zusammenschliessen.

Warum Deutschland ohne grundlegende Kurskorrektur der Deindustrialisierung kaum entkommt, erfahren Sie im Video.

Weitere Themen des Vortrages:

  • Warum das Ziel der Klimaneutralität bis 2045 eine Verzehnfachung von Wind- und Solarenergie innerhalb von 20 Jahren erfordern würde.
  • Wieso europäische Alleingänge in der Klimapolitik wirkungslos bleiben und was die Coronakrise als natürliches Experiment über den Ölmarkt verrät.
  • Weshalb ukrainische Flüchtlinge in Estland, Polen und Grossbritannien rund doppelt so häufig erwerbstätig sind wie in Deutschland.

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