«Ich würde auf Können setzen, nicht auf Glück – auch in der Wirtschaftspolitik», sagte Prof. Dr. Dr. h.c. Lars P. Feld an der Tagung zu seinem 60. Geburtstag am Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) an der Universität Luzern. Langjährige Weggefährten aus Wissenschaft, Politikberatung und Zentralbanken diskutierten in vier Themenblöcken jene Fragen, die Felds Schaffen prägten. Unter dem Tagungstitel «Ordnungspolitik, Demokratie und wirtschaftspolitische Herausforderungen» wurden Impulse gegeben und angeregte Diskussionen geführt. Zum Auftakt warnte Prof. em. Dr. Dr. h.c. mult. Hans-Werner Sinn, ehemeliger Präsident des ifo Instituts an der LMU München, vor der Deindustrialisierung Deutschlands und vor nationalen Alleingängen in der Klimapolitik. Wenn Europa weniger Öl nachfrage, fliesse es einfach anderswo hin und werde dort verbrannt.
Im ersten Panel ging es um Demokratie, Verfassungsregeln und ihre Legitimation. Prof. Dr. Alois Stutzer, Professor für Politische Ökonomie an der Universität Basel, zeigte, welche Bedeutung dezentrale Strukturen für die Bürgerbeteiligung haben. Prof. Dr. Nils Goldschmidt, Professor für Kontextuale Ökonomik und ökonomische Bildung and der Universität Siegen spürte Hayeks Kritik am Begriff «sozial» in der sozialen Marktwirtschaft nach. Vor diesem Hintergrund richtete sich der Blick auf die Staatsfinanzen. Prof Dr. Dr. h.c. Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts an der LMU München, zog eine Bilanz der Reformpolitik in Argentinien. Sie zeige, wie schwierig und politisch kostspielig der Ausweg aus Jahrzehnten verschleppter Reformen und hoher Verschuldung sei. Prof. Dr. Thiess Büttner, Professor für Finanzwissenschaft an der FAU Erlangen-Nürnberg ordnete ein, wo Deutschland finanzpolitisch steht.
Im Panel zur Geldpolitik gewährte EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel Einblick in die Strategie der europäischen Geldpolitik, Prof. Dr. Volker Wieland, Professor für Monetäre Ökonomie an der Goethe-Universität Frankfurt, lieferte den geldtheoretischen Hintergrund. Gemeinsam mit dem ehemaligen Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Prof. em. Dr. Dr. h.c. mult. Otmar Issing und dem ehemaligen Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bern, Prof. em. Dr. Ernst Baltensperger, diskutierten sie, wie sich eine fiskalische Dominanz in der Währungsunion verhindern lässt. Im Panel zu Wachstum und Wettbewerb betonte Prof. em. Dr. Dr. h.c. Christoph Schmidt, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, die Relevanz innovativer Wissenschaft für das Wachstum. Prof. Dr. Veronika Grimm, Professorin für Energiesysteme und Marktdesign an der TU Nürnberg skizzierte Reformoptionen für einen neuen Wachstumspfad und Prof. Dr. Gabriel Felbermayr, Direktor des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung, warnte vor den Risiken des neuen Protektionismus.
Welche Wege aus der Wachstums- und Schuldenkrise Europas führen und was die Schweiz dabei von ihren Nachbarn lernen kann, erfahren Sie im Video.
Weitere Themen der Tagung:
- Weshalb Deutschland laut Prof Dr. Dr. h.c. Clemens Fuest vielleicht eine Art «Milei light» braucht.
- Wieso Prof. Dr. Veronika Grimm es unverständlich findet, dass Handys an deutschen Schulen nicht konsequent weggeschlossen werden.
- In welchem Beruf laut Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Bruno S. Frey am meisten gelogen wird und welche vier Arten des Lügens er unterscheidet.