Die Weltwirtschaft stehe an einem Wendepunkt, erklärte Prof. Dr. Carmen Reinhart von der Harvard Kennedy School an der Reichmuth & Co Lecture No. 28 des Instituts für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) an der Universität Zürich. Die Staatsverschuldung vieler westlicher Volkswirtschaften habe Höhen erreicht, wie man sie bislang vor allem aus Kriegszeiten kenne. Gleichzeitig stiegen die Ansprüche an die öffentlichen Haushalte durch Verteidigung, demografischen Wandel und Energiewende. Ausgerechnet in dieser Lage stellten geopolitische Fragmentierung und Handelskonflikte jene internationale Ordnung infrage, die den Schuldenaufbau der vergangenen Jahrzehnte überhaupt erst finanzierbar gemacht habe.
Die ehemalige Chefökonomin der Weltbank warnte zudem vor einer möglichen KI-Blase. Die hohen Bewertungen und die starken Investitionen in den KI-Sektor erinnerten an frühere Spekulationsblasen, etwa den Eisenbahnboom des 19. Jahrhunderts. Niemand könne vorhersagen, wann eine solche Blase platze. In Verbindung mit der hohen Verschuldung und den eng verflochtenen Finanzmärkten könne ein Einbruch jedoch weit über den KI-Sektor hinauswirken. Die Schweiz sei dank ihrer Schuldenbremse zwar vergleichsweise gut aufgestellt, bleibe als kleine offene Volkswirtschaft aber auf ein stabiles internationales Finanzsystem angewiesen.
Darüber hinaus richtet Reinhart den Blick auf weitere zentrale Fragen der Weltwirtschaft:
- Warum die Phase zwischen der Finanzkrise 2008 und dem Ende der Pandemie geldpolitisch eine historische Ausnahme war.
- Wieso der Dollar die dominierende Ankerwährung der Weltwirtschaft bleiben wird.
- Weshalb die Unabhängigkeit der Notenbanken de facto stärker gefährdet ist als de jure.