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IWP 18. Juli 2023

«Wir verfeuern unsere unterirdischen Wälder», sagt Peter Sloterdijk.

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Der Untergang der Titanic im Jahre 1912 markiere eines der wichtigsten Ereignisse des 20. Jahrhunderts, sagt Prof. Dr. Peter Sloterdijk in seinem Vortrag am 20. Juni 2023 an der Universität Luzern. Die Titanic hätte nach den Plänen seiner Erbauer gar nicht untergehen dürfen, man hielt sie für unsinkbar. Das gigantische Schiff war nach Sloterdijk ein Vorzeichen jener Hybris des Menschen, die Natur vollständig beherrschen zu wollen. Diese Hybris führe in die heutige Klimakrise, lautet eine der Thesen des deutschen Philosophen.

Nicht einmal das Sinken der Titanic auf den Meeresboden konnte den Optimismus im Hinblick auf die Naturbeherrschung durch den Menschen trüben. Nur wenige Jahre nach dem Unglück geschieht das Unglaubliche: Man baut bereits das nächste und noch grössere Schiff. Für Sloterdijk ist das der Beweis dafür, dass die Selbstüberschätzung des Menschen nicht am Überleben einzelner Träger, Schiffen oder Gebäuden hängt, sondern an dem Wissen, wie man diese Dinge baut. Solange der Mensch die Natur als unerschöpfliche Ressource betrachte, werde er immer neue Schiffe, Häuser oder Autos herstellen.

Die Idee, man könne die Natur mithilfe von Technologie unter Kontrolle bringen und ihre Kräfte beliebig anzapfen, zeige heute jedoch durch den menschengemachten Anteil des Klimawandels ihre selbstzerstörerische Seite. Die Menschheit habe vor allem im 20. Jahrhundert rücksichtslos die unterirdischen Wälder verfeuert, wie Sloterdijk die Vorräte an fossilen Energieträgern in der Erdkruste nennt. Wolle die Menschheit überleben, müsse dieser Irrweg nun ein Ende finden. Doch es sei schwer, sich von der Vorstellung beliebiger Verfügbarkeit von Energie zu verabschieden, mache sie doch den Kern des westlichen Lebensstils aus.

Im Video sehen Sie Impressionen des Vortrags und der anschliessenden Diskussion von Prof. Dr. Peter Sloterdijk mit Dr. René Scheu, Geschäftsführer des IWP, in Luzern.