«Das Böse-Sein-Können wurde zur Kompetenz», sagt der Philosoph Peter Sloterdijk im Gespräch mit René Scheu, Geschäftsführer des Instituts für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) an der Universität Luzern. Die beiden Philosophen haben in Berlin auf der Pioneer 2 einen Podcast zu Sloterdijks neuem Buch «Der Fürst und seine Erben» produziert.
Der Moment, in dem die Menschen begonnen hätten, Könige und Imperien zu wollen, habe die Zivilisation irreversibel geprägt, so Sloterdijk. Seither lebe der Mensch im Staat: in einer Ordnung aus Hierarchie, Befehl und Gehorsam, die an der Spitze eine eigene politische Kompetenz hervorbringe — das Vermögen, nicht gut sein zu können. Trump erscheine ihm als heutige Gestalt dieses fürstlichen Typus: weniger klassischer Politiker als Selbstdarsteller, der sich mit jeder Unterschrift symbolisch selbst kröne.
Die Schweiz bilde hier eine historische Ausnahme. Als Eidgenossenschaft — und eben nicht als Nationalstaat — beruhe sie auf dem Versprechen mündiger Bürger, füreinander zu sorgen. Sie habe nie einen starken Fürsten gebraucht, ihre Bürger übten Souveränität tatsächlich aus. Das Geheimnis liege schon im Namen: Eine Eidgenossenschaft sei etwas grundlegend anderes als ein Staat. Die direkte Demokratie der Schweiz sei deshalb der Stachel im Fleisch der repräsentativen Demokratien — bewundert und gefürchtet zugleich. Im Gespräch lesen Sie ebenfalls:
- Warum Hierarchie, Befehl und Gehorsam keine Unfälle der Geschichte sind, sondern ihr strukturelles Ergebnis
- Weshalb konstitutionelle Monarchien die «Peinlichkeit der Präsidentenwahlen» ersparen
- Wie der «stille Staatsstreich» des 20. Jahrhunderts die amerikanische Demokratie verändert hat
- Warum Sloterdijk im «intelligenten Staat» mit KI-Unterstützung eine mögliche dritte Option zwischen hilflosem Liberalismus und dummdreister Illiberalität sieht