Beiträge
IWP 31. Mai 2022

Wie das Internet den Untergang der Aufklärung besiegelt.

1371381673

Auch wenn es vielleicht nicht alle zugeben: Die sozialen Medien werden von vielen Benutzern in erster Linie als Plattform zur Darstellung ihrer Individualität gesehen. Dies sei ein Trugschluss, argumentiert Dr. René Scheu, Geschäftsführer des IWP, in seiner neuen Blick-Kolumne. Die Allgegenwart des Internets habe uns einer wichtigen Voraussetzung für die Bildung einer eigenen Meinung beraubt: den privaten Raum. Heute verschmelze der private und der öffentliche Raum zusehends zu einer «Halböffentlichkeit», in der alles, was man denkt und tut, umgehend für andere zugänglich sei.

Die Angst, etwas «falsch» zu machen und sich zu blamieren, sei gross, was unweigerlich dazu führe, dass man sich an anderen orientiert. Die Konsequenz: Mainstream setzt sich durch, und der vermeintliche Individualist wird zum Konformisten. Mit der Aufklärung, wie Immanuel Kant sie postuliert hat, sei es deshalb vorbei: Weder leisten sich die meisten eine eigene Meinung – sie meinen es bloss –, noch gebe es einen öffentlichen Raum, in dem über Meinungen debattiert wird.