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IWP 26. April 2022

Weltoffenheit: ein politischer Kampfbegriff.

Japanese citizens crossing Shibuya Intersection on a hot summerday in Tokyo, Japan

Heutzutage gebe es kaum noch jemanden, der sich nicht rühmt, anderen Kulturen gegenüber aufgeschlossen zu sein, sagt der Ökonom Gerhard Schwarz im NZZ-Chat mit IWP-Geschäftsführer René Scheu. Gerhard Schwarz versteht Weltoffenheit als Respekt und Neugier für das, was auf dieser diversen Welt geschieht – eine Grundhaltung, die den Horizont erweitert. Allerdings tendiere man heute zu einer ideologisch geprägten totalen Weltoffenheit:

«Wer nicht weltoffen gegenüber allem und jedem ist, gilt als rückständig und hinterwäldlerisch.»

Dr. gerhard schwarz

Fatal sei, wenn Weltoffenheit als das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen an einem Ort ohne Assimilation verstanden werde. Damit unterschiedliche Kulturen zusammenleben können und die kulturelle Vielfalt auch bereichernd sei, müssten unabdingbare Voraussetzungen gegeben sein, sagt Schwarz. Dazu gehörten in erster Linie ein grosser Wertekonsens und die uneingeschränkte Akzeptanz der Rechtsordnung.

Dass immer häufiger auch Liberale zu einer totalen Weltoffenheit tendieren, führt Gerhard Schwarz auf deren Mutlosigkeit und den Drang zurück, mit dem Zeitgeist zu segeln. Sie vergessen, dass der Schutz des Eigentums zu den liberalen Grundwerten zählt. Die Bürger sind die Eigentümer der Kollektivgüter ihres Landes, wozu auch immaterielle Güter wie die Rechtsordnung und die Art des Zusammenlebens zählen. Als Bürger habe man die Pflicht, zu entscheiden, mit wem man dieses Volksvermögen teilen wollen – was viele Liberale leider vergessen.