Obwohl sich die Ausgaben des Bundes seit 1990 verdoppelt haben, werde in der aktuellen Spardebatte oft argumentiert, dass der Bund kein Ausgabenproblem habe – dies mit der Begründung, dass keine objektiv richtige Staatsgrösse existiere. Diese Sichtweise sei jedoch zu kurz gegriffen und ignoriere wichtige ökonomische Einsichten über den Sinn und Zweck von Staatsausgaben, argumentiert Prof. Dr. Christoph A. Schaltegger, Direktor des IWP, in einem Gastkommentar in der Neuen Zürcher Zeitung vom 14. Dezember 2024.
Aus ökonomischer Perspektive sollte der Staat nur eingreifen, wenn Marktversagen ausgeglichen werden muss, also in Bereichen, in denen der Markt nicht in der Lage ist, notwendige Güter und Dienstleistungen bereitzustellen. Zu den klassischen Beispielen zählen etwa die innere und äussere Sicherheit, die Infrastruktur oder die soziale Sicherheit, schreibt Schaltegger. Heute jedoch werde die ökonomische Sinnhaftigkeit staatlicher Ausgaben kaum hinterfragt. Statt sich auf Marktversagen zu konzentrieren, habe der Bund eine Eigendynamik entwickelt: Zusätzliche Ausgaben führen zu mehr Verwaltung, Regulierung und Personal, was wiederum weitere Ausgaben nach sich ziehe.
Die Tendenz zur Übernutzung öffentlicher Ressourcen lasse sich wissenschaftlich durch die Tragödie der Allmende erklären. Wenn Politiker Zugang zu einer gemeinsamen Kasse an Steuergeldern haben, um die Sonderinteressen ihrer Wähler zu bedienen, neige der politische Betrieb zur Übernutzung dieser Mittel. Jeder Politiker strebt nach Wiederwahl und tendiert daher dazu, die Ausgaben zu erweitern. Um eine Überdehnung des Staates zu verhindern, fordert Schaltegger, dass Staatsausgaben stets auf ihre ökonomische Sinnhaftigkeit geprüft und nicht allein auf Grundlage populärer Stimmungen ausgerichtet werden sollten.