Studien
IWP 26. März 2026

Warum die Corona-Krise die Ungleichheit nicht verschärft hat.

Low angle shot of business people standing behind social distancing signage on office floor. People in queue at office for safe entry checks post corona virus pandemic.

Entgegen vieler Befürchtungen hat die Corona-Krise die Einkommensungleichheit in der Schweiz und in Deutschland nicht erhöht – im ersten Pandemiejahr ging sie sogar leicht zurück. Zu diesem Ergebnis kommen Dr. Melanie Häner-Müller, Nina Kalbermatter und Prof. Dr. Christoph A. Schaltegger vom Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) an der Universität Luzern in ihrem aktuellen Beitrag «Stellschrauben der Ungleichheit: Wie Arbeitsmarkt und Staat Wirtschaftskrisen abfedern» in der Fachzeitschrift WiSt – Wirtschaftswissenschaftliches Studium.

Die Autoren führen diesen Umstand auf zwei Faktoren zurück: einen flexiblen Arbeitsmarkt und eine wirksame staatliche Absicherung. Entscheidend ist der Arbeitsmarkt – denn Stellenverluste treffen meist Geringverdienende am härtesten und verschärfen so die Ungleichheit. Der Arbeitsmarkt federte diesen Effekt ab: Moderate Regulierung und enge Zusammenarbeit der Sozialpartner ermöglichten es Unternehmen, Arbeitszeiten und Beschäftigung rasch anzupassen, statt Stellen abzubauen. So blieb die Beschäftigung stabil und Einkommensverluste konzentrierten sich nicht auf einzelne Gruppen.

Der zweite Faktor ist der Staat. Selbst wenn Löhne zurückgehen, entscheidet die Ausgestaltung von Steuern und Sozialleistungen darüber, wie stark Haushalte tatsächlich betroffen sind. Einige Instrumente greifen dabei automatisch: Arbeitslosenversicherung, Kurzarbeitsentschädigung und progressive Besteuerung. Gezielte Massnahmen wie Soforthilfen oder Härtefallprogramme können diese Wirkung zusätzlich verstärken. Beides zusammen hält die (Un-)Gleichheit in stabil.

Das Fazit: Ein flexibler Arbeitsmarkt begrenzt Einkommensverluste – und der Staat mildert deren Folgen. Wie stark eine Krise die Einkommensverteilung trifft, hängt daher weniger von der Krise selbst ab als davon, wie gut Arbeitsmarkt und Staat aufgestellt sind. Die Schweiz und Deutschland haben das in der Corona-Krise unter Beweis gestellt.