Donald Trumps aggressive Zollpolitik ziele in Wirklichkeit auf etwas anderes ab, als manche meinen, sagt der Ökonom Prof. em. Dr. Dr. h.c. mult. Hans-Werner Sinn in seinem Vortrag am 10. April 2025 am Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) an der Universität Luzern. Die Zölle dienten nur vordergründig dem Zweck, die Industrieproduktion zurück in die USA zu bringen. Dahinter stecke der Plan, mit den Zöllen Druck auf die Gläubiger der USA auszuüben, um eine Umschuldung durchzusetzen – etwa durch den Tausch bald fälliger Anleihen gegen 100-jährige Papiere mit deutlich tieferem Zinssatz. Dies wäre für die USA, die derzeit rund 11 Prozent ihres Haushalts für Zinszahlungen aufwenden, eine enorme finanzielle Entlastung.
Laut Sinn werde sich Trumps vordergründiges Versprechen, die Industrieproduktion in die Vereinigten Staaten zurückzuholen, zumindest kurzfristig nicht erfüllen. Es sei ungewiss, ob Unternehmen tatsächlich in grossem Stil Standorte in den USA aufbauen würden. Weitaus wahrscheinlicher sei es, dass die protektionistische Zollpolitik den internationalen Handel massiv störe und die amerikanische Wirtschaft in eine tiefe Krise führe. Hinzu komme, dass die Zölle viele importierte Güter verteuerten – mit spürbaren Folgen für die Konsumenten. Das stehe im Widerspruch zu Trumps Ankündigung, die Inflation unter Kontrolle zu halten.
Weitere Themen des Vortrags waren:
- Ob Trumps Zölle eine Weltwirtschaftskrise auslösen werden
- Was Deutschlands neue Schuldenpolitik bedeutet und ihre Folgen für den Euro-Raum
- Wie eine Europäische Sicherheitsarchitektur ohne die USA funktionieren könnte
- Welche Wirkungen Zollpolitiken in der Vergangenheit zeitigten