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IWP 31. Januar 2023

Staatsschulden: «Jetzt muss gehandelt werden», sagt Ludger Schuknecht.

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«Leider erkennen viel zu wenig Politiker den Handlungsbedarf: Die Schuldentragfähigkeit vieler Länder ist in Gefahr.» So lautet die Kernbotschaft des Vortrags von Dr. Ludger Schuknecht, Vize-Präsident der Asian Infrastructure Investment Bank. Er war am 16. Januar 2023 beim IWP zu Gast, wo er sein neues Buch «Debt Sustainability: A Global Perspective» vorstellte. Nach Corona ist die globale Staatsverschuldung auf Rekordniveau und in vielen westlichen Ländern so hoch wie nach dem Zweiten Weltkrieg. Zudem zeichne sich ab, dass die Alterung der Bevölkerung die Staatshaushalte zusätzlich belasten werden. Jetzt, wo die Niedrigzinsphase zu Ende geht, müssen insbesondere die Industrienationen dringend handeln, sagt Schuknecht. Die globalen Effekte zukünftiger Staatsfinanzkrisen könnten viel grösser sein als während der Eurokrise von 2010.

Die Staatsverschuldung könne auf vier verschiedene Weisen abgebaut werden. Im besten Fall würden strukturelle Reformen angegangen und die Staatshaushalte konsolidiert. Die Geschichte zeige, dass dies gelingen kann. Beredtes Beispiel ist die Einführung der Schuldenbremse in der Schweiz im Jahr 2003. Leider sei dieser Weg aus der Mode gekommen und werde von vielen als böse Sparsamkeit («evil austerity») diskreditiert. Der zweite Weg sei der Schuldenabbau durch Staatsbankrott – eine Option, die in der Vergangenheit vor allem kleine Volkswirtschaften genutzt haben. Für grosse Länder sei dies keine wirkliche Option, da die Folgen der wirtschaftlichen, politischen und sozialen Verwerfungen kaum absehbar seien.

Wahrscheinlicher sei ein Prozess der «finanziellen Repression»: Staaten entschulden sich über Inflation – wie es in der westlichen Welt gerade geschehe. Die Inflation lässt nicht nur die Preise, sondern auch das BIP steigen. Dadurch sinkt die Schuldenquote, also der Schuldenstand in Relation zum BIP, automatisch. Diese Form der Entschuldung belaste vor allem die normalen Sparer und das sei meist die breite Mittelschicht, sagt Schuknecht.

Historisch sei die finanziellen Repression oft eine Zeit lang gut gegangen, jedoch bestehe die Gefahr, dass die Regierungen die Kontrolle verlören. Die Folge ist ein Vertrauensverlust der Bürger und der Märkte und schlimmstenfalls eine Destabilisierung des Finanzsystems. Dies drohe nicht nur Schwellenländern, auch die USA und Grossbritannien steckten in den 1970er Jahren in schweren Vertrauenskrisen. Obwohl man sich kaum mehr daran erinnere, sei eine Wiederholung nicht ausgeschlossen. Die jüngsten Ereignisse in England hätten gezeigt, wie fragil auch als solid geltende Finanzsysteme seien. Dort haben die Steuersenkungspläne der Regierung Truss die Märkte erschüttert und das Pfund umgehend auf Talfahrt geschickt.

Ob die Staaten den Schuldenabbau rechtzeitig angehen oder es zu Staatsbankrotten kommt, hänge in erster Linie von der Bereitschaft und Fähigkeit der Regierungen ab, den Finanz- und den Staatssektor zu reformieren. Trotz aller Gefahren bleibt Schuknecht optimistisch: Reformen seien möglich und es gäbe zahlreiche Erfolgsgeschichten aus der Vergangenheit.

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