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IWP 19. Dezember 2022

Soziale Ungleichheit in der Schweiz.

Basel, Switzerland - December 14, 2019: Christmas market at Munsterplatz square close to Basel Minster in dusk. Unknown people stand close to market stalls.

Es ist Zeit, die öffentliche Debatte über die Einkommensungleichheit in die Schweiz zu versachlichen, sagt Dr. Melanie Häner. Die Bereichsleiterin Sozialpolitik am IWP war kürzlich zu Gast bei Ronnie Grob im Studio Libero des «Schweizer Monats». Entgegen der weitverbreiteten Annahme hat die Einkommensungleichheit in der Schweiz nach Häner nicht zugenommen. Dabei bezieht sie sich auf die in der Swiss Inequality Database (SID) aufgearbeiteten Steuerstatistiken der Kantone. Diese belegen, dass die Einkommensungleichheit in der Schweiz seit 100 Jahren stabil ist.

Im Unterschied zum Ausland ist die Einkommenskonzentration vor der Umverteilung (also bevor der Staat mit sozial- oder finanzpolitischen Massnahmen in die Verteilung eingreift) relativ gering. Anders präsentiert sich die Situation beispielsweise in Frankreich. Dort ist die Einkommenskonzentration nach der Umverteilung zwar etwa gleich gross wie in der Schweiz, allerdings interveniert der Staat vergleichsweise stark. Dies ist laut Häner ein möglicher Grund dafür, dass die gefühlte Ungleichheit in Frankreich sehr viel grösser ist als in der Schweiz.

Auslöser der Ungleichheitsdebatte sind laut Häner die Analysen des französischen Ökonomen Thomas Piketty. In seinem Buch «Das Kapital im 21. Jahrhundert» von 2014 nutzte Piketty erstmals Steuerdaten für die Messung der Ungleichheit. Er stellte in vielen Ländern einen Anstieg der Ungleichheit nach den 1980er Jahren fest. Die Forschungsresultate erfuhren viel Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit und sorgten dafür, dass die Diskussion über die Einkommensungleichheit auch in die Schweiz importiert wurde.

Weitere Themen des Gesprächs waren:

  • Wirtschaftliche Auswirkungen der Heirat
  • Gesellschaftliche Mobilität in der Schweiz
  • Wieviel man verdienen muss, um im Kanton Zug zu den Spitzenverdienern zu gehören