Studien
IWP 16. Januar 2023

Soziale Mobilität: Neue Erkenntnisse aus dem Basler Datenschatz.

View from the banks of the Rhine along the river promenade to the old town of Basel illuminated at night with the Basel Cathedral, St. Martin's Church, the Mittlere Brücke and the Rhine River, by moonlight

Kriege, Krisen und Epidemien stürzen zwar die Welt ins Chaos, zementieren aber die gesellschaftliche Ordnung. Dies geht aus einem Aufsatz von Dr. Melanie Häner, Prof. Dr. Christoph A. Schaltegger und Tamara Erhardt vom IWP in der «Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde» hervor. Die gute Nachricht lautet, dass die soziale Mobilität bereits in den darauffolgenden Generationen wieder ansteigt. Damit beobachten die drei Autoren für die soziale Mobilität dasselbe, was bereits für die Einkommensungleichheit festgestellt wurde.

Ein Blick in die Einschreibungen an der Universität Basel zeigt: Die universitäre Ausbildung in Basel war keineswegs ein ausschliessliches Privileg einer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Elite. Die Studentenschaft war seit der Universitätsgründung von unterschiedlicher sozialer Herkunft. Von Anfang an gehörten Söhne von Knechten, Pflegern, Druckern und Schreibern zu den Studierenden. Auch im 18. Jahrhundert, als die Universität Basel stark von Vetternwirtschaft geprägt war, blieb die Zusammensetzung der Studenten vielfältig.

Um den «Daig», also die Familien der Stadtbasler Oberschicht, an der Universität Basel zu finden, muss man nicht in den Immatrikulationen suchen. Dafür reicht ein Blick auf das Namenschild am Rektoratsbüro: Dieses wurde während einundzwanzig vom Familiennamen Burckhardt und während elf Jahren vom Name Bernoulli geziert. Die Analyse der Immatrikulationen zeigt, dass der «Daig» im Durchschnitt über einen hohen sozialen Status verfügten. Allerdings waren gerade einmal sieben Familien in allen 15 Generationen an der Universität Basel vertreten – und nur in zwei Fällen handelt es sich um «Daig»-Familien. Dies ist ein weiteres Indiz dafür, dass die gesellschaftliche Durchmischung an der Universität Basel über den gesamten Zeitraum gegeben war.