Studien
IWP 14. Juni 2022

Soziale Mobilität: Die lange Frist ist entscheidend.

People walking down the historic Spalenberg in Basel, pictured on 8. june 2015.
 
Der Spalenberg in Basel. Menschen bummeln durch Quartier mit gepflegten Wohnhaeuser mit schoenen Malereien und kleinen Laeden, aufgenommen am 8. Juni 2015.

Wer etwas über die Aufstiegschancen und Abstiegsgefahren in einer Gesellschaft erfahren will, muss unbedingt mehrere Generationen betrachten. Der Fokus der bisherigen Forschung zur sozialen Mobilität liegt vor allem auf der Betrachtung von zwei Generationen. Daraus abzuleiten, dass es einer Gesellschaft an Durchlässigkeit fehlt, also an der Möglichkeit für einen sozialen Auf- oder Abstieg, greift aber zu kurz. Dies zeigen Dr. Melanie Häner und Professor Dr. Christoph A. Schaltegger vom IWP in einer neuen Studie.

Die zentrale Frage lautet nicht, ob die soziale Stellung der Kinder jener der Eltern entspricht, sondern ob die Familie, in die man hineingeboren wird, für den eigenen gesellschaftlichen Status von entscheidender Bedeutung ist. Wenn in einer Gesellschaft solche sogenannten dynastischen Effekte bestehen, sind die Möglichkeiten der Bürger, auf der gesellschaftlichen Sprossenleiter aufzusteigen, massgeblich eingeschränkt. Deshalb müssen für eine Untersuchung der Durchlässigkeit einer Gesellschaft auch Generationen berücksichtigt werden, die in keinem direkten Kontakt zueinander stehen. Wie Häner und Schaltegger zeigen, bestehen für die Schweiz keine solche dynastischen Effekte, weil die Ur-Grosseltern den sozialen Status ihrer Ur-Enkel nicht messbar beeinflussen.

Quelle

Häner, M. & Schaltegger, C. A. (2022). Die Bedeutung der multigenerationellen sozialen Mobilität. Wirtschaftswissenschaftliches Studium 5, S. 24-29.