Wie stark bestimmt die soziale Herkunft den individuellen Erfolg in der Schweiz? Diese Frage steht im Mittelpunkt des neuen Artikels von Prof. Dr. Christoph A. Schaltegger, Dr. Melanie Häner-Müller und Jonas Bühler vom Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) an der Universität Luzern in der Zeitschrift «Schweizer Monat». Der Beitrag beruht auf den Ergebnissen eines aktuellen Forschungsprojekts zur sozialen Mobilität in der Schweiz. Die Autoren kommen aufgrund der ausgewerteten Daten darin zum Schluss, dass der familiäre Hintergrund zwar massgeblich den Bildungserfolg beeinflusst – also die Anzahl Jahre, die jemand in Bildung investiert. Beim späteren Einkommen hingegen spielt die Herkunft eine deutlich geringere Rolle. In der Schweiz hänge der finanzielle Erfolg in hohem Mass von der eigenen Leistung ab – oder anders ausgedrückt: Jeder ist seines Glückes Schmied.
Konkret sei der familiäre Einfluss auf den Bildungserfolg doppelt so hoch wie auf den Einkommenserfolg. In der Schweiz erklärt der familiäre Hintergrund rund einen Drittel der Unterschiede im Bildungsniveau, bei den Einkommensunterschiede hingegen lediglich ein Sechstel. Als entscheidenden Grund für diesen Unterschied führen Schaltegger, Häner-Müller und Bühler das duale Bildungssystem in der Schweiz an. Die Berufslehre kombiniere eine praxisorientierte Ausbildung mit vielfältigen Weiterbildungsmöglichkeiten und biete damit eine erfolgversprechende Alternative zu universitären Bildungswegen. Ob jemand eine Universität besuche oder nicht, spiele für das Einkommensniveau in der Schweiz deshalb eine vergleichsweise untergeordnete Rolle. Somit gleiche die duale Berufsbildung potentielle Startnachteile aus. Die Schweiz habe mit diesem System also ein starkes Ass im Ärmel, das entscheidend zur hohen Einkommensmobilität beitrage.
Weitere Themen des Artikels sind:
- Ist der soziale Status in der Schweiz eisernes Langzeiterbe?
- Warum die Möglichkeit zur Entfaltung des eigenen Potenzials zentral ist, und zwar unabhängig von der sozialen Stellung
- Inwiefern die Zürcher Longitudinalstudien neue Einblicke in soziale Mobilität bieten