«Sich in der Politik für Menschen zu engagierten, die nicht mit dem goldenen Löffel im Mund geboren sind»: So, bringt die deutsche «DIE LINKE»-Politikerin Sahra Wagenknecht ihr Verständnis von Linkssein auf den Punkt. Dieses ursprüngliche Linkssein habe nichts mehr dem Linksliberalismus zu tun, wie es heute Mode ist, sagt die promovierte Volkswirtin im «Blick»-Interview mit Dr. René Scheu, Geschäftsführer des IWP.
Viele der linken Meinungsmacher von heute engagieren sich in erster Linie für Diversity und den Kampf gegen Rassismus und den Klimawandel. Dabei gehe die wichtigste Diskriminierung sehr vieler Menschen in Europa vergessen: die soziale Diskriminierung aufgrund von Herkunft aus einem armen Elternhaus. Wegen dieser «Schichtenblindheit» fänden die Alltagsprobleme der allermeisten Menschen keine Beachtung mehr. Als Folge davon würden sich weniger privilegierte Menschen von der Politik abwenden, was die Stabilität der Demokratie gefährde.
Aus diesem Grund fordert Wagenknecht eine Rückbesinnung auf «alte» linke Ideale: Eine Sozialpolitik, die sich für Aufstiegschancen für alle engagiert. Die Menschen sollten auf den eigenen Beinen stehen und ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten können – und zwar unabhängig davon, in welche Familie sie hinein geboren wurden. Und dafür, sagt Wagenknecht, braucht es vor allem drei Dinge: «Bildung, Bildung und Bildung.»
Damit jedem der Zugang zu Bildung offen stehe, müssten die notwendigen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Eine faire Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung trägt für Sahra Wagenknecht eine ordoliberale Handschrift:
«Es braucht den fairen Wettbewerb und dafür braucht es wiederum die richtigen Regeln und Regulierungen.»
Für den gemeinsamen Fortschritt, so Wagenknecht, brauche eine Gesellschaft Leistungswettbewerb – er sei der Garant für Wohlstand, Innovation und Produktionswachstum. Der Staat wiederum müsse mit harten Kartellgesetzen dafür sorgen, dass sich die Besten und nicht die Mächtigsten durchsetzen. Oder anders formuliert: Wer leisten will, soll dies auch können.