In den meisten öffentlichen Debatten werde der Begriff Neoliberalismus missverstanden, sagt Prof. Dr. Martin Hartmann in seiner Lecture auf Einladung des Instituts für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) an der Universität Luzern. Neoliberalismus werde von seinen Kritikern oft vorschnell mit Staatskritik, Marktradikalismus und der Forderung nach einem Nachtwächterstaates gleichgesetzt. Diese Auffassung gehe so weit, dass der Philosoph Axel Honneth am liebsten den Begriff Neoliberalismus streichen würde, da er seiner Meinung nach keinen klaren Inhalt habe.
So weit würde er nicht gehen, erläutert Hartmann weiter. Wenn man sich mit dem Neoliberalismus auseinandersetze, könne man ihn sehr wohl vom klassischen Liberalismus abgrenzen. Neoliberale bevorzugten einen Staat, der aktiv in die Wirtschaft eingreife. Für sie hat der Staat die Aufgabe, der Marktgesellschaft eine Rahmenordnung zu geben. Diese Ordnung solle Regeln für den Markt setzen, um den Wettbewerb und die soziale Integration zu gewährleisten. Statt den Neoliberalismus grundsätzlich abzulehnen, sollte man sich mit ihm beschäftigen und ihn dann fundiert kritisieren, sagt Hartmann.
Ein konkretes Beispiel für die negativen Auswirkungen neoliberaler Politik sieht Hartmann in der zunehmenden Ökonomisierung der Universitäten. Die Bedeutung von Drittmittel-Finanzierung habe stark zugenommen, was dazu führe, dass Forscher immer stärker mit der Vorbereitung, Beantragung und Administration von Förderprojekten beschäftigt seien, anstatt sich auf die eigentliche Forschung zu konzentrieren. Dies zeige, wie neoliberale Ansätze den akademischen Bereich beeinflussen und wie wichtig eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Neoliberalismus sei.
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