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IWP 04. April 2023

Kumpel-Kapitalismus: Gewinne privatisieren, Kosten sozialisieren.

An aerial view shows the headquarters of the Swiss banks Credit Suisse, center, and UBS, left, at Paradeplatz in Zurich, Switzerland on Sunday March 19, 2023. (KEYSTONE/Michael Buholzer).

Der Untergang der Credit Suisse gilt für viele als Beleg dafür, dass ein ungezügelter Kapitalismus herrsche. Eine kleine Schicht von Spitzenmanagern nützt jede sich bietende Möglichkeit, um sich zu bereichern – und reisst die Schweiz in den Abgrund. Diese Sicht gehe jedoch am Kernproblem vorbei, schreiben Prof. Dr. Christoph A. Schaltegger, Direktor des IWP, und Dr. René Scheu, Geschäftsführer des IWP, in einem Gastbeitrag für die «NZZ am Sonntag».

Die Bankenkrise sei nicht Folge einer kapitalistischen Übertreibung, sondern vielmehr Symptom eines sich immer stärker ausbreitenden «Kumpel-Kapitalismus» (in Anlehnung an den englischen Begriff «Crony Capitalism»). Gemeint ist eine Wirtschaftsform, in der es zu einer immer stärkeren Verbandelung von Politik, Verwaltung und privatem Management zulasten des einfachen Bürgers kommt. Es bildet sich ein Establishment heraus, für das die Regeln der Marktwirtschaft nicht gelten, schreiben Schaltegger und Scheu. Gewinne werden privatisiert, Kosten sozialisiert und Risiken auf die Gesellschaft überwälzt.

Der Bankensektor könne als Paradebeispiel eines mit der Politik und Verwaltung stark verschränkten Marktes gelten. Konträr zur öffentlichen Wahrnehmung herrsche im Bankwesen keinesfalls Wilder Westen. Die Finanzmarktaufsicht habe ihr Personal seit 2007 fast verdoppelt. Mit der Too-big-to-fail-Regulierung wurde nach 2008 ein hochkomplexes Gebilde geschaffen, das nur von Experten verstanden wird und sich als Papiertiger entpuppte. Eine Antwort auf die Frage, wie es soweit kommen konnte, liefert George Stigler, Ökonomie-Nobelpreisträger von 1982. Er hat gezeigt, dass Regulierung nicht nur durch das Bestreben angetrieben wird, Marktversagen zu verhindern, sondern auch durch beidseitiges Eigeninteresse von Management und Verwaltung.

Der Ökonom George Stigler (*1911 † 1991) untersuchte, wie Interessengruppen die staatliche Regulierung zu ihrem Vorteil gestalten.

Anstatt mit noch mehr Regulierung auf die neue Krise zu reagieren, müsse wieder grundsätzlicher über eine bessere Wirtschaftspolitik nachgedacht werden. Mit welchen 6 Grundsätzen sich der Kumpel-Kapitalismus wieder eindämmen lässt, schreiben die Autoren im Beitrag.