Die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI) sei atemberaubend, sagt Sam Ginn, Pionier und Forscher im KI-Bereich, in seinem Vortrag am Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) an der Universität Luzern. Die sogenannten «Large Language Models» – grosse Sprachmodelle wie ChatGPT – hätten in den vergangenen drei Jahren das Potenzial von KI in das kollektive Bewusstsein gerückt. Jetzt, da Menschen mit KI interagieren könnten, werde der technologische Quantensprung auch tatsächlich wahrgenommen. Im Silicon Valley herrsche eine beinahe euphorische Stimmung: Dort gelte KI als Wegbereiterin einer Welt des Überflusses, in der menschliche Arbeit nicht mehr nötig und absolute Selbstbestimmung für jedermann möglich sei.
Doch sehe er auch grosse Gefahren auf die Menschheit zukommen, betonte Ginn. Die Vielfalt an Missbrauchsmöglichkeiten sei enorm. Die KI von morgen werde es jedem ermöglichen, Menschen gezielt zu manipulieren oder sogar ganze Gesellschaften zu destabilisieren. Die bislang unbekannten technologischen Fähigkeiten eröffneten unzählige Wege des Missbrauchs. Daher setze er sich dafür ein, jetzt – solange die Menschheit noch die Kontrolle über die Entwicklung habe – ethische Werte und moralische Prinzipien in den Code und die Algorithmen der KI zu integrieren. Nur so lasse sich sicherstellen, sie dem Menschen diene und nicht umgekehrt der Mensch der KI.
Ausserdem erfahren Sie im Video:
- Warum Europa im Vergleich zu den USA und China in der Entwicklung von KI weit zurückliegt und welche Bedeutung dies für die Zukunft haben wird
- Wie bisher technologische Entwicklungen den Arbeitsmarkt verändert haben und warum dieses Muster durch KI durchbrochen werden könnte
- Wann es eine allgemeine KI geben könnte, die dem Menschen ebenbürtig oder sogar überlegen ist