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IWP 17. Januar 2022

Hans-Werner Sinn: Die Inflation ist gekommen, um zu bleiben.

Senior woman in the city

Die Inflation ist zurück. In den vergangenen Monaten fand kaum ein anderes Thema unter Ökonomen mehr Beachtung und wurde so kontrovers diskutiert wie der Anstieg der Preise im Euroraum und in den USA. In einem grossen «Blick»-Interview hat nun der Geschäftsführer des IWP, Dr. René Scheu, mit dem deutschen Ökonomen und IWP-Beirat Prof. Dr. Hans-Werner Sinn über die Gefahren der Inflation und ihre Verharmlosung gesprochen.

Hans-Werner Sinn hat wenig Verständnis für Kollegen, die die Inflationsgefahr klein- bzw. schönreden. Der Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, wirft er vor, die Situation zu missdeuten. Lagard berief sich jüngst auf die mittelfristige Inflationsrate, die die Entwicklung der vergangenen zwölf Monate berücksichtigt und sich dem Inflationsziel der EZB von 2% erst annähert. Angesichts der Tatsache, dass die Inflation im Euroraum aktuell aber bei über fünf Prozent liegt, bezeichnet Sinn diese Haltung schlicht als Realitätsverweigerung.

Jenen Ökonomen, die von einem vorübergehenden pandemiebedingten Preisanstieg ausgehen, hält Sinn das Phänomen der Lohn-Preis-Spirale entgegen: Erstreiten die Gewerkschaften wegen der steigenden Preise entsprechende Lohnerhöhungen für die Angestellten, steigen die Produktionskosten weiter und so letztlich wieder die Preise – ein Teufelskreis wird in Gang gesetzt. Mit dem allgemeinen Trend hin zur teureren grünen Energie kommt zudem ein Treiber eines langfristigen Preisanstiegs hinzu.

Die grosse Unbekannte aber ist die seit der Finanzkrise von 2008 von der EZB vor allem durch den Aufkauf von Staatspapieren geschaffene Zusatzliquidität von 5000 Milliarden Euro. Banken können die Summe durch Kreditvergabe – in Übereinstimmung mit den bestehenden Gesetzen – auf 20’000 Milliarden Euro erhöhen. Kommt dieses Geld in den Umlauf, hat dies unabsehbare Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft.

Mit Blick auf die Folgen der Inflation sind es für Hans-Werner Sinn in erster Linie die Eurostaaten, die zu den grossen Gewinnern zählen: Wenn die Inflationsrate höher ist als der Zins, zu dem sich ein Staat Geld geliehen hat, schmelzen die Staatsschulden auf wundersame Weise dahin. Er sagt: «So mancher hoch verschuldete Staat der Eurozone spekuliert insgeheim auf eine Entlastung durch die Inflation und die EZB agiert als Erfüllungsgehilfe der Politik und versteift sich aufs Schönreden, bloss um nicht bremsen zu müssen.»

«So mancher hoch verschuldete Staat der Eurozone spekuliert insgeheim auf eine Entlastung durch die Inflation und die EZB agiert als Erfüllungsgehilfe der Politik und versteift sich aufs Schönreden, bloss um nicht bremsen zu müssen.»

Hans-werner sinn

Auf der anderen Seite sind es die Sparer, die unter den Inflationsfolgen zu leiden haben. Sinn warnt davor, dass es den «normalen Bürger» am stärksten trifft: Steigen die Preise, können sich die Leute von der Strasse von ihren Ersparnissen immer weniger Güter kaufen. Sollte die Inflation lange anhalten, kommt es zu einer einschneidenden Entwertung der Vermögen.

Anders als der Euroraum ist die Entwicklung in der Schweiz. Die Inflation ist tief und der Schweizer Franken wertet auf, da er im Ausland sehr begehrt ist. Die Kaufkraft in der Schweiz bleibt stabil: «Sie sind in der Schweiz in einer beneidenswerten Lage.»

Lesen Sie unter dem Link das ganze Interview. Als PDF finden Sie die gekürzte Version, die im Print erschienen ist.
Der Text wird hier mit freundlicher Genehmigung der Ringier AG veröffentlicht.