Nichts sei so sicher, wie der Tod und die Steuern, schrieb einst Benjamin Franklin. Doch stimmt das? Gab es nicht auch eine Welt vor der Steuer, und wenn ja, wie kam die Steuer überhaupt auf die Welt? Der Philosoph Prof. Dr. Peter Sloterdijk zeichnet im Gespräch mit Dr. René Scheu, Geschäftsführer des IWP, die ereignisreiche Geschichte des Fiskalstaates nach.
Ihren Ursprung hat die Steuer in den Naturalabgaben, die unterworfene Völker in der Antike ihren Eroberern leisten mussten. Im Mittelalter wurde sie zur Lehensabgabe der Vasallen an ihre Feudalherren. Erst die Geldrevolution des 15. Jahrhunderts in den Handelsstädten Italiens machten die Steuer als Geldforderung des städtischen Adels zu einer dauerhaften Einrichtung. Ab dem 16. Jahrhundert zentralisierten die grossen Monarchien wie Grossbritannien oder Frankreich die Finanzverwaltung unter der Krone.
Die modernen Nationalstaaten haben damit begonnen, sich nur noch über Steuern zu finanzieren. Deren Erhebung und vor allem deren Umverteilung wurde zum politischen Machtmittel, sagt Sloterdijk. Um die Bürger für sich zu gewinnen, baute die Politik den Sozialstaat stetig aus. Heute liege die durchschnittliche Staatsquote weltweit bei 50 Prozent, weshalb Sloterdijk vom “Semi-Sozialismus auf eigentumswirtschaftlicher Grundlage” spricht. Warum die Ausdehnung des Steuerstaats in breiten teilen der Bevölkerung eher eine Neidkultur als eine Leistungsethik beförderte, erklärt Peter Sloterdijk im Video.
Weitere Themen des Gesprächs sind:
- Was das Wort Steuer eigentlich bedeutet
- Inwieweit die Amerikanische und die Französische Revolution Steuerrevolutionen waren
- Der Wandel der Steuer als Schuld gegenüber dem Staat hin zu einer Gabe ans Gemeinwesen