Der russische Angriff auf die Ukraine leitete eine Zeitenwende ein, sagte Prof. em. Dr. Herfried Münkler in seinem neuen Vortrag am 1. Februar 2023 an der Universität Luzern. Nach der Pandemie und dem Rückzug des Westens aus Afghanistan habe der Kriegsausbruch das Projekt einer westlichen, durch Freihandel geprägten Weltordnung endgültig beendet. Die Konflikte der Zukunft werden sich weniger um die Werte des Westens als vielmehr um die Interessen von Nationalstaaten drehen, prognostiziert Münkler.
Auch die Schweiz müsse ihre Rolle in der Welt neu definieren. Die Neutralitätsdividende, von der das Land im 20. Jahrhundert profitiert habe, gebe es heute nicht mehr. Stattdessen stehe die Neutralität heute der Souveränität im Weg, da die Schweiz bei vielen Entscheidungen nicht mitbestimmen könne. Dies bringe die Schweiz in eine unangenehme Situation, sagt der Politikwissenschaftler. Denn betroffen sei die Schweiz sowohl von den Entscheidungen der EU als auch von den Atomdrohungen aus Moskau. Wieso die Schweiz auch nicht von einer Vermittlerrolle zwischen Ost und West profitieren kann, erklärt Herfried Münkler im Video.