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IWP 01. Juni 2022

Gleich heisst nicht gerecht.

Man standing out of a Crowd

In Ländern mit grossen sozialen Unterschieden ist die Ungleichheit weniger ein Thema als in Ländern mit kleineren Unterschieden, sagt IWP Geschäftsführer René Scheu im neuen NZZ Chat mit Gerry Schwarz, Ökonom und Beirat der NZZ. Warum ist das so? Schwarz zieht den Vergleich zum Sport, wo der Zweitplatzierte viel stärker enttäuscht über den verpassten Sieg ist als der Zehntplatzierte. Je kleiner die Unterschiede, desto grösser die Aufregung.

In vergleichsweise egalitären Gesellschaften werden Gleichheit und Gerechtigkeit oftmals in eins gesetzt: Je gleicher die Gesellschaft, desto gerechter ist sie auch. Aber stimmt das auch? Die beiden Chatter sind sich einig: nein. Für Geri Schwarz stehen Gerechtigkeit und Recht in einer engen Beziehung zueinander. Anstatt nach wirtschaftlicher Ergebnisgleichheit solle ein Staat nach Chancengleichheit streben und dafür sorgen, dass niemand in Armut versinkt. Gleiche hingegen der Staat die Einkommen und Vermögen zu stark an, werde die Gesellschaft letztlich ungerechter, da die vom Einzelnen erbrachten Leistung bestraft würden.

Scheu zitiert derweil zustimmend Friedrich Nietzsche, der die Gleichheits-Doktrin das «giftigste Gift» nannte. Für den Philosophen bedeutete sie das «Ende der Gerechtigkeit».

Weitere Themen des Chats sind: