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IWP 28. März 2024

Gemeinwohl und Eigeninteresse in der Politik: Eine ökonomische Analyse.

Bern, Fruehlingssession, 3. Maerz 2011, Uebersicht Staenderatsaal waehrend einer Abstimmung. (Christian Pfander/EQ Images)

Es ist kaum verwunderlich, dass jeder Politiker von sich behauptet, nur das Beste für die Wähler zu wollen. Überraschenderweise gehen aber auch die meisten Wirtschaftslehrbücher davon aus, dass Politiker ausschliesslich das Wohlergehen der Bevölkerung maximieren wollen. Dem politischen Geschäft näher kommt wohl die Perspektive, wonach auch Politiker Menschen sind und ihre eigenen Interessen verfolgen. Das ist die Perspektive der ökonomischen Theorie der Politik, wie sie im neuen Lehrbuch «Demokratische Wirtschaftspolitik» von Prof. Dr. Lars P. Feld, Prof. Dr. Bruno S. Frey, Prof. Dr. Gebhard Kirchgässner (in memoriam), Prof. Dr. Christoph A. Schaltegger und Dr. Melanie Häner vom Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik vermittelt wird.

Unter der Annahme, dass politische Akteure immer auch eigene Ziele verfolgen, bietet das Buch Erklärungsansätze für Phänomene, die sich nicht mit dem Streben nach dem Gemeinwohl begründen lassen. Es analysiert zum Beispiel, warum Staatsausgaben tendenziell vor Wahlen ansteigen oder warum Politiker Projekte bevorzugen, die zwar prestigeträchtig sind, aber nicht unbedingt den tatsächlichen Bedürfnissen der Gesellschaft entsprechen. Dazu werden im Lehrbuch die Wechselwirkungen zwischen wirtschaftlichen Prozessen und politischen Strukturen analysiert. Es zeigt, wie die wirtschaftlichen Bedingungen politische Entscheidungen prägen und wie die politischen Rahmenbedingungen die Entwicklung der Wirtschaft beeinflussen.

Das Lehrbuch «Demokratische Wirtschaftspolitik» ist das einzige universitäre Lehrbuch aus dem deutschsprachigen Raum, das die Politische Ökonomie am Beispiel des politischen Systems der Schweiz, Deutschlands und Österreichs erklärt. Folgende Themen werden im Buch ausführlich behandelt:

  1. Wechselwirkung zwischen Wirtschaft und Politik: Grundlegende Prämissen der demokratischen Wirtschaftspolitik, einschliesslich Möglichkeiten und Grenzen wirtschaftspolitischer Eingriffe.
  2. Gesellschaftlicher Grundkonsens: Einigung auf Regeln und Institutionen, Bedeutung der Ungewissheit und Stabilität von Regeln in der Wirtschaftspolitik.
  3. Entscheidungsverfahren in der Gesellschaft: Untersuchung verschiedener Mechanismen wie der Preismechanismus, Demokratie, öffentliche Verwaltung und die Rolle wirtschaftlicher Interessengruppen.
  4. Spezifische politische Bereiche: Diskussion von Richtlinien und Theorien für Bereiche wie Allokation, Umweltpolitik, Verteilung, Stabilisierung und Staatsverschuldung.
  5. Wirtschaftspolitische Beratung: Rolle, Herausforderungen und Objektivität der Beratung sowie Übertragung der Wirtschaftstheorie in die Praxis.