Fakten sind unabhängig von unseren Überzeugungen wahr oder falsch, sagt Prof. Dr. Markus Gabriel in seiner Lecture an der Universität Luzern. Denn: dass sein Vortrag gerade in Luzern stattfinde, sei entweder eine Tatsache oder schlicht falsch. Aus diesem Grund könne es auch keine alternativen Fakten geben, wie es Donald Trump behauptet hatte, sagt der Professor für Erkenntnistheorie sowie Philosophie der Neuzeit und der Gegenwart an der Universität Bonn.
Für die Gesellschaft sei es von entscheidender Bedeutung, dass objektive Fakten anerkannt würden. Denn ohne Fakten als Grundlage liessen sich keine gesellschaftlichen Probleme lösen. Für eine funktionierende Infrastruktur beispielsweise sei eine objektive Vorstellung von Pünktlichkeit vonnöten. Fortschritt bedeute wiederum, die Probleme der Gesellschaft immer besser zu bewältigen. Fortschrittliche Gesellschaften seien somit solche, welche die Tatsachen richtig erfassten, auf dieser Grundlage handelten und somit Probleme aus dem Weg räumten.
Nach Gabriel sei die Fähigkeit einer Gesellschaft, Probleme zu lösen, ein objektives Mass für die Fortschrittlichkeit ihrer Zivilisation. Die Schweiz sei objektiv besser organisiert als Nordkorea, da das Überleben der Menschen dort besser gesichert sei. Kulturen könnten daher objektiv miteinander verglichen werden. Die Annahme, dass Kulturen nicht hierarchisch vergleichbar seien, weil jede auf ihre Weise wertvoll und einzigartig sei, wie es der Kulturrelativismus behauptet, sei falsch.
Ausserdem erfahren Sie im Video:
- Warum der Kulturrelativismus in die Irre führt
- Warum die liberale, rechtstaatliche Demokratie kein Endziel verfolgt und Francis Fukuyama deshalb falsch lag
- Was wir von Moses Mendelssohns Text «Über die Frage: Was heisst Aufklärung?» über Kultur und Aufklärung lernen können