Die Finanzkrise von 2007 hat ein kollektives Trauma hinterlassen. Dies sagt Prof. Dr. Beatrice Weder di Mauro, Professorin für Internationale Wirtschaft am Graduate Institute in Genf, in ihrer Lecture, die sie auf Einladung des IWP an der Universität Luzern gehalten hat. Das Trauma bestehe darin, dass der Steuerzahler für die Fehler und Verluste von systemrelevanten Banken aufkommen musste. Die Banken waren zu gross, um sie scheitern zu lassen. Sie waren «too big to fail»: TBTF.
In der Schweiz seien in Form von Risikoübernahmen über 10 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung in die staatliche Bankenrettung geflossen. Das Ziel der Regulierer sei weltweit daher gewesen, diesen Fall in Zukunft zu verhindern, sagt die Ökonomin. Die wesentliche Stellschraube habe man in den Eigenkapitalquoten gesehen. Denn in der Weltfinanzkrise von 2008 habe sich gezeigt, dass die Eigenkapiteldeckung der Banken viel zu gering ausgefallen sei, um unvorhergesehene Verluste zu tragen.
Das Ziel, die Banken mit mehr und qualitativ hochwertigerem Eigenkapital auszustatten, sei durch die Basel III-Vorschriften seit 2008 auch gelungen, führte Weder di Mauro weiter aus. Doch die Krise der Credit Suisse (CS) 2023 habe gezeigt, dass das Notfallregime für ins Straucheln geratene, systemrelevante Banken immer noch lückenhaft sei.
Zum Beispiel habe man zu wenig über Notfall-Liquidität nachgedacht. Da jede Bankenkrise letztlich in eine Liquiditätskrise münde, müsse immer genügend Liquidität vorhanden sein, um eine Bank im Krisenfall zu sanieren und neu aufzustellen. Per Notrecht musste 2023 die Schweizerische Nationalbank (SNB) der CS in der Tat auch frische Liquidität zur Verfügung stellen. Auch brauche es in Zukunft ein glaubwürdigeres Regime zur Sanierung und Restrukturierung von Krisenbanken, wobei diese beiden Stufen strikt zu unterscheiden seien (was weder in den Medien noch in der Politik genügend beachtet werde).
Bei alledem spiele der Zeitdruck eine wichtige Rolle. Die Übernahme der CS durch die UBS sei vor allem deshalb unterstützt worden, weil wenig Zeit für die Abwägung von Alternativen blieb. Mit mehr Liquidität und einer besseren Kommunikation und Schulung der Akteure – der SNB, der Finanzaufsicht und des Bundes – für den Krisenfall könne man sich mehr wichtige und dringende Optionen offenhalten. Damit könne man Bankenkrisen nicht per se verhindern, aber das Risiko einer staatlichen Bankenrettung minimieren, sagte Weder di Mauro.