Studien
IWP 18. März 2022

Eine Kostenbremse fürs Gesundheitswesen?

Cost of Healthcare

In der Schweiz sind die Gesundheitsausgaben gemessen an der Wirtschaftsleistung zwischen 1990 und heute von 7.3 auf 11.3 Prozent gestiegen. Pro Kopf bedeutet dies einen Anstieg von knapp 300 auf rund 800 Franken – pro Monat. Zeigt sich hier einfach die gestiegene Alterung der Gesellschaft oder gibt es doch zunehmend Ineffizienzen im Schweizer Gesundheitsmarkt, die zu den Mehrausgaben führen?

Melanie Häner, Leiterin des Bereichs Sozialpolitik des IWP, hielt im Rahmen des CAS in Medical Leadership der Universität Zürich einen Vortrag zu den ökonomischen Grundlagen des Schweizer Gesundheitsmarkts und möglichen Reformansätzen.

«Rund 20 Prozent Luft im System»

MELANIE HÄNER

Der Gesundheitssektor ist generell ein schwieriger Markt, insbesondere weil es sich bei der Gesundheit um ein sogenanntes Vertrauensgut handelt. Das heisst, selbst nach einer Behandlung ist es dem Konsumenten – in diesem Falle dem Patienten – nur bedingt möglich, die Qualität des Gutes zu beurteilen. Dazu kommt, dass dem Preismechanismus im Gesundheitswesen nicht freien Lauf gelassen werden kann. Denn der Staat muss sicherstellen, dass jedem Bürger eine bestimmte Mindestversorgung zuteilwird. Diese darf aber nicht beliebig hohe Kosten verursachen. So kommt es, dass im Schweizer Gesundheitsmarkt ein sogenannter regulierter Wettbewerb herrscht. Der Flickenteppich an bestehenden Regulierungen ist allerdings mit Ineffizienzen verbunden.

In den letzten Jahren wurde versucht, mit Regulierungen an vielen Einzelstellen einzugreifen, um dem Trend der steigenden Kosten entgegenzuwirken, ohne dabei die Qualität einzuschränken. Aber dieser Ansatz hat nicht funktioniert. Das Kostenwachstum konnte nicht gebremst werden. Auch stieg der Verwaltungsaufwand, da die Einhaltung jeder Regulierung überprüft werden muss. Besser wäre es, vor einer Reform über die Anreizwirkungen der schon bestehenden Gesetzeslage im Gesundheitsmarkt nachzudenken und zu untersuchen, wie die verschiedenen Regulierungen miteinander interagieren.

Melanie Häner stellte mögliche Ansatzpunkte für Reformen heraus und führte eine ausgiebige Diskussion mit dem Fachpublikum, hauptsächlich Ärzten und Medizinern.