Die Schweiz steht vor einer schwierigen Grundsatzentscheidung: Ist ein stabiler realer Wechselkurs oder der Erhalt der Kaufkraft des Frankens zu bevorzugen? Im vorliegenden zweiten Bericht zur Geldpolitik und Finanzstabilität argumentiert Dr. Adriel Jost, Fellow am Institut für Schweizer Wirtschatspolitik (IWP) an der Universität Luzern, dass eine Abwägung immer dringlicher wird.
Ausserordentliche Stützungsprogramme während der Corona-Krise und steigende Zinsen haben die Situation der öffentlichen Schulden in den grossen Währungsräumen wie den USA, der Eurozone, Japan und Grossbritannien weiter verschlechtert. Das Problem dabei: Zentralbanken verlieren ihre Unabhängigkeit, wenn die öffentlichen Schulden ausser Kontrolle geraten. Steigen die Zinsen zu stark, müssen die Zentralbanken mit Anleihenkäufen dafür sorgen, dass sich die Zinsen auf dem geldpolitisch richtigen Niveau befinden. Zentralbanken sind damit faktisch gezwungen, auf ihre Kosten den Staat zu finanzieren. Ist keine Rückkehr zu stabilen Verhältnissen absehbar, wird die Währung über kurz oder lang an Wert verlieren – zum Schaden der Geldbenutzer.
Die soliden Finanzen machen die Schweiz zur Ausnahme. Die Schweizer Volkswirtschaft ist aber dennoch von den Entwicklungen in den grossen Währungsräumen abhängig. Aufwertungen des Frankens beeinträchtigen die kurzfristige Wirtschaftsentwicklung in der Schweiz, was zum politischen Druck auf die Schweizerische Nationalbank (SNB) führt, für einen stabilen Wechselkurs zu sorgen. Dazu muss die SNB mit Schweizer Franken Fremdwährungen kaufen. Mit dem Kauf der Fremdwährungen verhält sich die SNB aber ähnlich wie die Zentralbanken der verschuldeten Länder. Und damit gilt auch für die SNB: Ohne Rückkehr zu einer stabilen Verschuldungssituation in den grossen Währungsräumen sind den Verlusten auf ihrer Bilanz kein Ende gesetzt, was schliesslich auch die Kaufkraft des Frankens gefährdet.
Will die SNB diese Risiken verhindern, wird sie in zukünftigen Krisen vermehrt auf Devisenmarktinterventionen verzichten müssen. Welche Massnahmen der SNB helfen würden, diesem politischen Druck zu widerstehen, lesen sie im zweiten IWP-Bericht zur Geldpolitik und Finanzstabilität.