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IWP 04. Februar 2022

Liquidität, Energiepreise und Lieferengpässe als Inflationstreiber.

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Der Preisanstieg in der Schweiz fiel mit zuletzt 1,5 Prozent auf Jahressicht zwar moderater aus als in Deutschland (5,3 Prozent) oder den Vereinigten Staaten (7 Prozent). Dennoch ist es eine Abkehr von der bisherigen Nullinflation in der Eidgenossenschaft. Ein Blick auf die Inflationsprognosen der Schweizer Nationalbank (SNB) der letzten Jahre zeigt, dass die Währungshüter regelmässig vor steigenden Preisen ausgingen. Allerdings trat dieser Anstieg letztlich selten ein. Martin Mosler vom IWP beleuchtet in einem Beitrag im Nebelspalter wieso dies heute anders sein könnte und identifiziert drei gewichtige Einflussfaktoren die Preisstabilität.

Erstens gibt es massive Geldüberschüsse im Bankensystem. Vor allem im Euro-Raum pumpte die Europäische Zentralbank im Zuge ihrer Rettungspolitik während der letzten Wirtschaftskrisen die Geschäftsbanken mit Liquidität voll. Nach Berechnungen des IWP-Beirats Hans-Werner Sinn liegen 5 Billionen Euro ungenutzt in sogenannten Geldhorten: unter Matratzen und in Tresoren, vor allem jedoch auf den Konten der Geschäftsbanken bei der Zentralbank. Wenn die gesamtwirtschaftliche Nachfrage nach der Corona-Pandemie wieder steigt, könnten sich diese stillen Geldpools über Kredite in die Realwirtschaft entleeren – und so zu reissenden Inflationsflüssen werden. Die Inflationsgefahr in der Schweiz ist aufgrund des Negativzinses, den die SNB für Einlagen von den Geschäftsbanken fordert, etwas geringer. Viel Liquidität strömt direkt ins Ausland, was den Inflationsdruck aus den Schweizer Geldhorten vermindert.

Zweitens beobachten wir Preissteigerungen im Energiesektor, zuletzt getrieben durch den Truppenaufmarsch Russlands an der ukrainischen Grenze. Auf Jahressicht legte der Weltmarktpreis für Erdgas um zwei Drittel zu, während der Rohölpreis ein Sieben-Jahres-Hoch erreichte. Doch auch die Massnahmen zum Klimaschutz führen zu einer Teuerung, der sogenannten «Greenflation». So steigt beispielsweise die staatliche Lenkungsabgabe auf Heizöl (CO2-Abgabe) für Schweizer Mieter und Hauseigentümer dieses Jahr um ein Viertel. Solche Preissteigerungen sind im Portemonnaie spürbar, werden aber im Landesindex der Konsumentenpreise kaum sichtbar: Während in der Schweiz die Energiekosten nur mit einem Gewicht von 3,6 Prozent in die Berechnung der Teuerung einfliessen, ist es beispielsweise in Deutschland mit 6,9 Prozent fast das Doppelte.

Drittens drohen der Eidgenossenschaft abermals Preissteigerungen aufgrund eingeschränkter Transportmöglichkeiten weltweit. Bereits letztes Jahr waren die globalen Lieferketten so überfordert, dass sich vor vier Häfen in China und den Vereinigten Staaten nicht abgefertigte Containerschiffe stauten, die etwa ein Zehntel der gesamten globalen Schifffrachtkapazitäten ausmachten. Die Transportpreise für Schweizer Importeure stiegen entsprechend. Gegenwärtig trifft Chinas Null-Covid-Strategie auf eine hochansteckende Omikron-Virusvariante. Schon jetzt melden die weltweit grössten Häfen Shanghai und Shenzhen Personalmangel und die Schliessung ganzer Terminals wegen radikaler Eindämmungsmassnahmen nach Krankheitsausbrüchen.

Ob der Eidgenossenschaft tatsächlich eine anhaltende Phase von starken Preissteigerungen droht, kann niemand mit absoluter Gewissheit voraussagen. Die Inflationsgefahren dank überschüssiger Liquidität, steigenden Energiepreisen und gestörten Lieferketten sind jedoch gewichtig.