Den Sirenen der Antike konnten Orpheus und Odysseus noch entkommen, den Sirenen der Moderne scheint die Schweizer Politik jedoch zu erliegen: der süssen Verlockung von Subventionen. Im indirekten Gegenvorschlag zur Gletscherinitiative ist eine Subventionierung von Heizungsumrüstungen angedacht. Aber landen die dutzenden hierfür eingeplanten Millionen Franken auch tatsächlich bei den Haushalten, die sie benötigen? Wer hat überhaupt Anspruch auf eine solche Subvention? Und sind sinnvolle Alternativen denkbar?
In ihrem Gastbeitrag für die Neue Zürcher Zeitung sind Dr. Martin Mosler, Bereichsleiter für Fiskalische Nachhaltigkeit, und Przemyslaw Brandt, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Fiskalische Nachhaltigkeit, diesen Fragen nachgegangen.
Die beiden IWP-Forscher betrachten Daten zum selbstbewohnten Wohnraum von Eigentümern und weisen darauf hin, dass Subventionen für Heizungsumstellungen sowohl sozial- wie auch klimapolitisch fragwürdig sind. Insbesondere die reichsten und einkommensstärksten Haushalte hätten Anspruch auf die Subvention, aber kaum junge Familien oder Alleinstehende. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass die Subvention zu Mitnahmeeffekten führt und die intendierte Anreizwirkung für zusätzliche, neue Heizungsanlagen schlicht verpufft. Ausserdem gehen diejenigen Vorreiter-Haushalte, die erst vor kurzem ihre Heizung umgerüstet haben, leer aus und dürften bei weiteren energetischen Sanierungen zurückhaltender agieren.
Aus Sicht der Autoren stellt ein Cap-and-Trade-System für CO2-Emissionen eine gangbare und sinnvolle Alternative dar. Die Menge verfügbarer Zertifikate wird stetig verringert, während jeder Haushalt als Ausgleich für seine Emissionen ebenjene Zertifikate benötigt, wenn er hohe Strafzahlungen vermeiden will. Sparsame Haushalte können ihre überschüssigen Zertifikate an verschwenderische Haushalte verkaufen und werden so für ihre Einsparungen finanziell belohnt. Auf diese Weise dürften die CO2 -Einsparungen schneller, kostengünstiger und vor allem gerechter erreicht werden als mit den Heizungssubventionen nach dem Giesskannenprinzip.