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IWP 30. März 2026

«Die Schweiz ist eine Ausnahme», sagt Peter Sloterdijk.

Peter Sloterdijk

«Die direkte Demokratie der Schweiz ist der Stachel im Fleisch der repräsentativen Demokratien», sagt Sloterdijk im NZZ-Gespräch mit René Scheu, Geschäftsführer des Instituts für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) an der Universität Luzern. Die Schweiz sei ein politischer Sonderfall, in dem die Bürger ihre Souveränität nicht nur formell besässen, sondern tatsächlich ausübten.

Im übrigen Westen hingegen gehe das Vertrauen in etablierte Verfahren zurück, Zukunftsfurcht ersetze den Fortschrittsglauben. In der Dauerkrise gehe das Gefühl für den Normalzustand verloren, sagte Sloterdijk weiter. Davon profitierten Figuren wie Trump, die einen Politikstil verkörperten, der auf Beschleunigung, Inszenierung und den Anspruch des starken Entscheiders setze. Sloterdijk hat eben das Buch «Der Fürst und seine Erben: Über grosse Männer im Zeitalter gewöhnlicher Leute» publiziert, in dem er sich mit Gegenwart und Zukunft westlicher Demokratien beschäftigt.

Die Schweiz bildet nach Sloterdijk hier eine historisch gewachsene Ausnahme. Ihr Geheimnis liege schon im Namen: Eine Eidgenossenschaft sei etwas grundlegend anderes als ein Nationalstaat, sie beruhe auf dem Versprechen mündiger Bürger, füreinander zu sorgen. Als einziges Land der Welt habe die Eidgenossenschaft den Gedanken der Volkssouveränität ernst genommen.

Es wäre fatal, die Schweiz zu eng an die EU anzubinden, sagte Sloterdijk, das «helvetische Konzentrat» würde sich in der «dünnen europäischen Brühe» auflösen. Die klügeren europäischen Staatslenker erkennten die Schweizer Ausnahme zwar an — doch genau deshalb fürchteten sie sich auch vor ihr.

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