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IWP 20. Dezember 2025

«Die Schweiz verkennt die finanzpolitische Realität», sagt Christoph A. Schaltegger.

Wp 26168 Christoph Schaltegger

«Die Schweiz gilt gemeinhin als finanzpolitischer Musterknabe, doch bei näherem Hinsehen zeigt sich ein weniger beruhigendes Bild», sagt Prof. Dr. Christoph A. Schaltegger, Direktor des Instituts für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) an der Universität Luzern, in der IWP-Weihnachtsvorlesung vom 17. Dezember 2025. Über die vergangenen Jahrzehnte habe der Bund von stetig steigenden Einnahmen profitiert, die wesentlich durch ein mengengetriebenes Wirtschaftswachstum infolge hoher Zuwanderung ermöglicht worden seien. Diese Einnahmen seien nicht zur nachhaltigen Entlastung der öffentlichen Finanzen genutzt worden, sondern laufend ausgegeben worden. Mittlerweile wüchsen die Ausgaben schneller als die Einnahmen: Für 2026 budgetiert der Bund trotz eines Einnahmenwachstums von rund 5 % ein Defizit von rund 800 Millionen Franken. Ohne Gegensteuerung drohe sich diese strukturelle Entkopplung von Ausgaben- und Wirtschaftswachstum weiter zu verfestigen.

Nach Schaltegger lohnt es sich auch, genau hinzusehen, wenn es um die Grösse des Staates gehe – denn der Blick auf das offizielle Bundesbudget greife zu kurz. Ein realistischer Blick verlange den Einbezug der konsolidierten Rechnung, sagt Schaltegger. Diese zeige, dass das Risiko für die Steuerzahler weit über den Stammhaushalt hinausgehe. Zum konsolidierten Haushalt des Bundes zählten neben dem Kernbudget auch Sonderfonds, Spezialfinanzierungen sowie bundeseigene Unternehmen. Berücksichtige man die finanzielle Gesamtsicht der Bundesverwaltung, beanspruche der Bund rund 18,4 Prozent der Wirtschaftsleistung und sei damit etwa doppelt so gross, wie es das Bundesbudget ausweise.

Wie der Bundeshaushalt auch ohne einschneidende Sparmassnahmen entlastet werden könnte, erfahren Sie im Video.

Weitere Themen des Vortrags sind:

  • Die Auswirkungen der Schuldenbremse auf die Spielräume im Finanzhaushalt
  • Welche Rolle Lohnprämien in der Öffentlichen Verwaltung spielen
  • Wieso die soziale Dominanz ein wichtiger Treiber der öffentlichen Finanzen sind