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IWP 22. Mai 2024

«Die fiskalische Dividende der Migration ist negativ», sagt Bernd Raffelhüschen.

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Die Bevölkerung der Schweiz ist seit 2002 durch Zuwanderung um 1.2 Millionen auf fast 9 Millionen Menschen angestiegen. Diese Zunahme wurde durch die Personenfreizügigkeit mit der EU erleichtert, was viele qualifizierte Arbeitskräfte aus den Nachbarländern anzog. Viele dieser Arbeitskräfte brachte ihre Familienmitglieder mit, was die Gesamtzahl der ausländischen Bevölkerung in der Schweiz weiter erhöhte. An einer Veranstaltung des Instituts für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) an der Universität Luzern haben Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg im Breisgau und Prof. Dr. Reiner Eichenberger von der Universität Freiburg die Erkenntnisse ihrer Forschung zu den ökonomischen Effekten der Zuwanderung präsentiert.

«Selbst Zuwanderer mit überdurchschnittlicher Qualifikation lohnen sich für Deutschland fiskalisch nicht.»

Bernd Raffelhüschen

Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen hat die Auswirkungen der Zuwanderung auf die impliziten Staatsschulden Deutschlands untersucht – also auf zukünftige finanzielle Verpflichtungen des Staates, die sich aus gesetzlich festgelegten Ansprüchen wie etwa den Sozialversicherungen ergeben. Er kommt zum Schluss, dass die Differenz zwischen den Kosten und Einnahmen des Sozialstaats («Nachhaltigkeitslücke») mit Migration langfristig etwa eineinhalbmal grösser ist als ohne Migration. Deshalb plädiert er dafür, dass der Staat die Zuwanderung nicht einfach dem Arbeitsmarkt überlässt, sondern klare Regeln aufstellt. Der wichtigste Punkt sei die Verhinderung des Familiennachzugs. Dies gelte auch für die Schweiz, obwohl die Zuwanderer hierzulande deutlich besser qualifiziert seien als in Deutschland.

«Man muss weg von der Wohlstandsinsel, dann gibt es weniger Zuwanderung.»

Reiner Eichenberger

In seinem Vortrag betonte Prof. Dr. Reiner Eichenberger, dass der Nutzen der Zuwanderung in die Schweiz überschätzt werde. Entgegen der häufig gehörten Annahme, dass die Zuwanderung zu einem Anstieg des BIP pro Kopf von 0.8 Prozent pro Jahr geführt habe, sei der tatsächliche Anstieg nur 0.5 Prozent, wenn man die vielen Grenzgänger berücksichtige. Darüber hinaus wies Eichenberger darauf hin, dass die «Fülleffekte» der Zuwanderung oft übersehen werden, also die zusätzlichen Kosten, die der Gesellschaft durch die steigende Bevölkerung entstehen – zum Beispiel beim Strassenbau oder dem Ausbau des öffentlichen Verkehrs. Um diese gesellschaftlichen Kosten zu decken, fordert Reiner Eichenberger die Einführung einer «Kurtaxe» für Zuwanderer. Im Gegenzug würde er die politischen Mitbestimmungsrechte der Zuwanderer ausweiten, indem sie beispielsweise Referenden und Initiativen unterzeichnen können.

Im Video erfahren Sie ausserdem:

  • Warum die Arbeitsmigration in die Schweiz für Zuwanderer und ihre Arbeitgeber so attraktiv ist
  • Warum die Arbeitsmigration die Schweizer Institutionen schwächt
  • Was Deutschland ändern müsste, damit sich die Zuwanderung aus fiskalischer Perspektive lohnt