Den grössten Einfluss auf die reale Politik habe er mit seinen Vorschlägen für Arbeitsmarktreformen in den 2000er Jahren unter der Regierung Schröder genommen, sagt Prof. em. Dr. Dr. h.c. mult. Hans-Werner Sinn im Gespräch mit Prof. Dr. Christoph A. Schaltegger, Direktor des Instituts für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) an der Universität Luzern. Deutschland habe in dieser Zeit als «kranker Mann Europas» gegolten. Die Arbeitslosigkeit stieg auf über 4 Millionen und erreichte damit einen Rekordwert. Gerade unter niedrig qualifizierten Arbeitnehmern sei die Arbeitslosigkeit besonders hoch gewesen. Diese hatten kaum einen Anreiz, eine neue Stelle zu suchen, da sie langfristig Arbeitslosengeld in Höhe der Hälfte ihres letzten Gehalts erhielten, sagt der ehemalige ifo-Präsident.
Zentral war nach Sinn, dass wieder mehr Arbeitsanreize geschaffen werden mussten. Anstatt langfristig Arbeitslosenhilfe auszubezahlen, wurde den Arbeitslosen nach einiger Zeit nur noch eine Grundsicherung gezahlt. Dies habe für viele eine starke Reduktion ihres Arbeitslosengel-des bedeutet. Damit sich die Arbeitsaufnahme lohnte, wurde die Grundsicherung bei erfolgreicher Anstellung nicht einfach gestrichen. Vielmehr konnte man einen Anteil behalten, bis ein gewisses Einkommen erreicht war. Auf diese Weise wurde es attraktiv, auch eine Arbeit mit niedrigem Lohn anzunehmen. Dies habe die Arbeitslosenquote innerhalb von 10 Jahren halbiert und den Sozialstaat entlastet. Heute würden mit dem sogenannten Bürgergeld allerdings wieder die Arbeitsanreize in Deutschland geschwächt, bedauert Sinn.
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