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IWP 15. Februar 2022

Die Verteilung der Einkommen ist seit 100 Jahren stabil.

In the background the dome of the Bundeshaus the government building of Switzerland and the Swiss flag in the wind. 02/21/2021 - Bundesgasse, 3011 Bern, Canton Bern, Switzerland

Wie sollten die Coronaschulden zurückgezahlt werden? Geht die Kluft zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander? Kann ein junger Mensch ohne Vermögen noch den gesellschaftlichen Aufstieg schaffen? Professor Dr. Christoph A. Schaltegger, Direktor des IWP, stand Dominik Feusi vom «Nebelspalter» in seinem Videocast «Feusi-Federal» Rede und Antwort.

Auf die Frage, wie die Coronaschulden am besten zurückgezahlt werden sollten und was die Schuldenbremse vorschreibe, verwies Professor Schaltegger auf eine von ihm in Zusammenarbeit mit Professor Dr. Paul Richli und Michele Salvi erarbeitete Studie. Darin haben sie zwei vom Bundesrat vorgeschlagene Rückzahlungspläne untersucht. Die drei Autoren plädieren für die Variante, die vorsieht, die Hälfe der rund 25 Mrd. Franken Schulden innerhalb von sechs Jahren abzubauen. Die andere Hälfte werde mit den seit 2003 abgebauten Schulden in Höhe von 30 Mrd. Franken des Bundes verrechnet.

Dies sei zulässig, da die Schuldenbremse prioritär ein Instrument zur Schuldenkonsolidierung und nicht zum Schuldenabbau sei. Eine vollständige Rückzahlung der Schulden über zwölf Jahre, wie sie in der anderen Variante vorgesehen sei, würde die Finanzpolitik überfordern und sei auch rechtlich von der Schuldenbremse gar nicht gefordert. Eine Rückzahlung der Schulden über eine solch lange Zeit sieht Professor Schaltegger kritisch, denn welcher Politiker in der Zukunft sehe sich dann noch an die Selbstverpflichtung aus der Vergangenheit gebunden?

Auf die Ungleichheit in der Schweiz angesprochen, verblüffte Professor Schaltegger mit der Aussage, dass die Einkommensverteilung in der Schweiz seit hundert Jahren ziemlich stabil sei. Dies würden die verfügbaren Zahlen zeigen. Auch stimme es für die Schweiz nicht, dass die Vermögen dauerhaft in den Händen derselben Personenkreise liegen würden. Es gäbe insgesamt einen klaren, messbaren Zusammenhang zwischen Arbeitsleistung und Vermögensbildung. Das heisst: der Auf- und Abstieg in der Schweiz funktioniere erfreulicherweise nach dem Leistungsprinzip.

Die Durchlässigkeit in der Schweiz sei intakt. Der liberale Arbeitsmarkt sorge in Kombination mit dem gut ausgebauten Bildungssystem für breit verteilte Chancen, die auch jemand ohne Vermögen und reiches Elternhaus nutzen könne. Spätestens nach vier Generationen lasse sich kein Einfluss der Vorfahren mehr auf das Einkommen der Nachfahren nachweisen. Dies spreche für eine durch Arbeit und Leistung und nicht durch Vererbung geprägten Elite.