Der Schweizer Mittelstand ist stabil. In diesem Punkt sind sich Prof. Dr. Christoph A. Schaltegger, Direktor des IWP, und Prof. Dr. Matthieu Leimgruber von der Universität Zürich einig. Im «eco talk» des Schweizer Fernsehens mit Moderator Reto Lipp erklärt Christoph A. Schaltegger, dass die Schweiz dank dem flexiblen Arbeitsmarkt und der hohen Qualität des Bildungssystems eine typische Mittelstandsgesellschaft sei. Die Mittelschicht, fügt der Historiker Leimgruber an, sei in den letzten Jahrzehnten sogar gewachsen. Er hält den Abstiegsdiskurs für ein Überbleibsel der Mittelstandsdiskussion, die in der Zwischenkriegszeit geführt wurde.
Uneins sind sich Schaltegger und Leimgruber hingegen in der Frage, ob die aktuelle Inflation etwas an dieser Situation ändern wird. Für Leimgruber ist es eine Frage der Dauer. Sollte die Inflationsphase lange anhalten, könne dies zu einer gewissen Erosion des Mittelstandes führen. Dem entgegnet Schaltegger, dass eine Inflationsrate von 3 % historisch gesehen nicht aussergewöhnlich sei. Zudem treffe die Inflation nicht den Mittelstand, sondern die beiden Enden der Einkommensverteilung am stärksten. Reiche sind häufig Gläubiger und erleiden einen Vermögensverlust, denn mit der Geldentwertung schrumpft auch der reale Wert ihrer Forderungen. Haushalte mit tiefem Einkommen geben einen verhältnismässig grossen Teil ihres Einkommens für den Konsum aus, weshalb sie die Inflation ebenfalls stark trifft.
Weitere Themen des Gesprächs sind:
- Das Bildungswesen und die gesellschaftliche Mobilität
- Die Verteilung von Einkommen und Vermögen in der Schweiz