Studien
Von Dr. Martin Mosler und Prof. Dr. Christoph Schaltegger 17. Oktober 2022

Der Inflationsgeist ist aus der Flasche.

Green bottles as a background

Die globalen Inflationserwartungen erreichen nun fast 10 Prozent und sind damit deutlich gegenüber den bereits hohen Werten im Sommer 2022 gestiegen. Für die Schweiz wird mit 3.7 Prozent eine Inflationsrate für das laufende Jahr erwartet, die gut doppelt so hoch ist wie der von der Schweizer Nationalbank (SNB) definierte Wert für Preisstabilität. Diese Ergebnisse der dritten Welle des Economic Experts Survey (EES), einer global durchgeführten Umfragereihe des Instituts für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) an der Universität Luzern und des ifo Instituts in München, verdeutlichen den zunehmenden Preisdruck in allen Weltregionen. Der EES ist eine weltweit einzigartige Umfragereihe, die belastbare Zahlen zu den Inflationseinschätzungen von gegenwärtig 1’687 Wirtschaftsexperten aus 129 Ländern liefert.

Die Ergebnisse als Kurzzusammenfassung:

  • Die weltweiten Inflationserwartungen betragen im Mittel 9.5 Prozent für das laufende Jahr. Das ist etwa 6.7 Prozentpunkte höher als die durchschnittliche Weltinflationsrate des letzten Jahrzehnts.
  • In keiner Weltregion herrscht auch nur annähernd Preisstabilität.
  • Die Inflationserwartungen für die Schweiz sind mit 3.7 Prozent für 2022 fast doppelt so hoch wie das Inflationsziel der SNB.
  • Für viele Teile Europas werden zweistellige jährliche Inflationsraten erwartet.
  • Trotz einer starken Intervention der Fed betragen die erwarteten Preissteigerungen in Nordamerika 7.3 Prozent für das laufende Jahr.
  • Angesichts der dramatischen Inflationserwartungen sollten Zentralbanken sich auf das Hauptziel der Preisstabilität konzentrieren, und ihr Mandat nicht mit Nebenzielen von Klimaschutz bis Inklusion überstrapazieren.

Global: Starker Anstieg der weltweiten Inflationserwartungen

Weltweit werden hohe Inflationsraten erwartet. Dabei sind die Inflationserwartungen gegenüber dem Vorquartal ausgehend von einem bereits hohen Niveau weiter angestiegen. Für 2022 liegt die erwartete Inflationsrate im weltweiten Mittel bei 9.5 Prozent. Dies stellt einen deutlichen Anstieg gegenüber dem Sommer diesen Jahres dar, als die befragten Wirtschaftsexperten noch eine gemittelte Inflationsrate erwartet hatten, die weltweit 1.8 Prozentpunkte tiefer gelegen hatte. Sollten die Wirtschaftsexperten nun richtig liegen, wären die diesjährigen Preissteigerungen um 6.7 Prozentpunkte höher als die durchschnittliche Weltinflationsrate im letzten Jahrzehnt (Weltbank 2022). Die globale Inflation soll dabei auch im kommenden Jahr gemäss der Wirtschaftsexperten kaum zurückgehen und bei 7.5 Prozent liegen. Selbst mittelfristig rechnen die befragten Experten mit einer stark erhöhten Inflationsrate von weltweit 5 Prozent.

Die Abbildung zeigt die erwarteten Inflationsraten im weltweiten Mittel für die Jahre 2022 (9,5%), 2023 (7,5%) und 2026 (5,0%). Dargestellt ist der Median der Durchschnitte auf Länderebene.

Die kurz- wie mittelfristigen Inflationserwartungen der Experten sind alarmierend und deuten auf das Platzen einer «Inflationsblase» hin. Reis (2022) führt vier monetäre Hauptgründe für die aktuelle Inflationslage an. Erstens führte eine Fehldiagnose der wirtschaftspolitischen Determinanten zu einer überdehnten Phase von expansiver Geldpolitik. So sind die wirtschaftspolitischen Schocks auf der Produzentenseite wie gestörte Lieferketten oder Energieengpässe kaum durch Zentralbanken lösbar. Zweitens wurden die Inflationserwartungen von Bürgern und Unternehmen im letzten Jahrzehnt als eher zäh und inflexibel angesehen, weshalb besonders starke geldpolitische Massnahmen gewählt wurden. Die Verankerung der Inflationserwartungen scheint inzwischen jedoch instabiler zu sein. Drittens vertrauten Zentralbanken übermässig auf ihre zuvor mühsam erworbene Glaubwürdigkeit, wonach sie eine kurzfristig erhöhte Inflation mittelfristig in den Griff bekommen können. Viertens gingen Zentralbanken wohl von einem niedrigeren natürlichen Zins aus, als es de facto der Fall war. Dies trug zu einer übermässigen Fokussierung auf die gesamtwirtschaftliche Stimulation und ein Vernachlässigen der Inflationskontrolle bei.

Die Gründe für die aktuelle Inflationslage sind sicherlich vielschichtig und umfassen auch steigende Energiepreise oder Nachwirkungen von Konjunkturprogrammen während der Corona-Pandemie. Unbestritten ist jedoch, dass die Preissteigerungen eine entschiedene Reaktion der Zentralbanken weltweit erfordern. Die derzeit erwarteten Inflationsraten lassen ansonsten befürchten, dass es zu einer weiter galoppierenden Inflation kommt, deren Eindämmung zu hohen wirtschaftspolitischen Verwerfungen führen kann.

Regional: Entwicklungsländer mit dramatischen Inflationsraten

Bei den Inflationserwartungen zeigen sich wie im Sommer 2022 zwar deutliche regionale Unterschiede, jedoch global auf einem drastisch hohen Niveau. Nimmt man die Definition der Schweizer Nationalbank (SNB) als Referenz, herrscht in keiner Weltregion auch nur annähernd Preisstabilität. Die noch geringste durchschnittliche Inflationsrate für das laufende Jahr wird von den Wirtschaftsexperten in Südostasien mit 5.6 Prozent angenommen. In zwei Drittel der Weltregionen werden jedoch zweistellige Inflationsraten für 2022 erwartet.

Besonders dramatisch ist die Inflationslage in vielen Weltregionen mit niedrigen Pro-Kopf-Einkommen. Für das östliche Afrika erwarten die Wirtschaftsexperten etwa eine Inflationsrate von fast 60 Prozent im laufenden Jahr, in Nordafrika rechnen die Umfrageteilnehmer mit einer Inflationsrate von etwa 47 Prozent. Auch die Einschätzung für das südliche Asien ist mit erwarteten Preissteigerungen von über 23 Prozent eher düster. Die mittlere Frist bis 2026 verspricht dabei keine geldpolitische Entspannung mit erwarteten Inflationsraten zwischen 15 und 37 Prozent jährlich.

Die Abbildung zeigt das arithmetische Mittel der erwarteten Inflationsraten in den Weltregionen für das Jahr 2022.
Notiz: Die Abbildung zeigt das arithmetische Mittel der erwarteten Inflationsraten in den Weltregionen für das Jahr 2023.
Notiz: Die Abbildung zeigt das arithmetische Mittel der erwarteten Inflationsraten in den Weltregionen für das Jahr 2026.

Der Anstieg in vielen Weltregionen ist auf Preissteigerungen bei Rohstoffen und im Energiesektor zurückzuführen. Zusätzlich zu den kurzfristigen Auswirkungen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine verweist Schnabl (2022) auf eine Reihe von langjährigen Inflationsfaktoren in den genannten Sektoren. So haben durch die Corona-Pandemie gestörte Lieferketten dazu geführt, dass Unternehmen ihre Lagerhaltung erhöhten, was zu einer kurzfristig steigenden Nachfrage von Rohstoffen führte. Aber auch monetäre Einflüsse haben eine Rolle gespielt. Einerseits führte die expansive Geldpolitik zu einer generell erhöhten gesamtwirtschaftlichen Nachfrage. Andererseits bewirkte die Abwertung des US-Dollars und des Euros eine höhere Nachfrage nach realen Anlageformen wie beispielsweise Rohstoffen, während energie- und rohstoffexportierende Länder ihre in US-Dollar oder Euro denominierten Anlagen absicherten. Erst kürzlich wirkte sich die Trendwende beim US-Dollar aus: Mit der Aufwertung der Leitwährung auf den weltweiten Rohstoff- und Energiemärkten wurden Importe für Länder ausserhalb des Dollar-Raums teurer, was die Inflation weiter anheizte.

Schweiz: Inflationserwartungen fast doppelt so hoch wie SNB-Ziel

Der weltweite Inflationsdruck erreicht nun auch die Schweiz. So wird für das laufende Jahr 2022 eine Inflationsrate von 3.7 Prozent erwartet. Sollte sich dieser Wert realisieren, wären die Preissteigerungen fast doppelt so hoch wie das Inflationsziel der Schweizerischen Nationalbank (SNB) von 2 Prozent. Auch für das kommende Jahr 2023 liegen die Erwartungen der Wirtschaftsexperten mit 3.3 Prozent noch deutlich über der SNB-Definition von Preisstabilität. Erst mittelfristig ab 2026 wird ein Rückgang der jährlichen Inflationsrate auf 1.9 Prozent erwartet.

Die heimischen Preissteigerungen werden getrieben von einer «importierten Inflation» aufgrund von real verteuerten Gütern und Dienstleistungen im Ausland, welche die Eidgenossenschaft bezieht. Gleichzeitig wirkt der starke Schweizer Franken jedoch preisdämpfend. Somit liegt die durchschnittliche Inflationserwartung für 2022 zwar deutlich über dem SNB-Ziel. Relativ zu anderen Ländern fallen die Preissteigerungen dennoch moderat aus. Für 124 der übrigen 128 Nationen, für welche die jeweiligen Wirtschaftsexperten ihre Inflationserwartungen angegeben haben, wird im laufenden Jahr eine noch höhere Preissteigerung als in der Schweiz erwartet.

Die SNB hat auf die anziehenden Preissteigerungen unmittelbar reagiert und im September 2022 den Leitzins um 0.75 Prozentpunkte deutlich angehoben. Gleichzeitig hat das Wertschriftenportfolio der SNB, welches als monetäre Reaktion auf die Phase der geringen Inflation und eines aufwertenden Schweizer Frankens in den vergangenen Jahren aufgebaut wurde, auf dem Papier einen Verlust von 95 Milliarden Schweizer Franken im ersten Halbjahr 2022 hinnehmen müssen. Zwar müssen Bund und Kantone nun mit einer geringeren Gewinnausschüttung durch die Zentralbank rechnen. Die heimisch wie weltweit hohen Inflationszahlen sollten jedoch klar vor Augen führen, dass das Hauptziel der SNB stets die Preisstabilität ist – und nicht die Staatsfinanzierung.

Europa: Gefahr der «Fiskalischen Dominanz»

Auch der europäische Kontinent leidet weiter unter hohen Inflationsraten. Für 2022 erwarten die Wirtschaftsexperten für Westeuropa Preissteigerungen in Höhe von 7.4 Prozent, in Südeuropa von 11 Prozent und für Nordeuropa gar 12.1 Prozent. Die Inflation wird vornehmlich durch einen starken Anstieg der Energiepreise getrieben. Ein breiter Rohstoffpreisindex war im September 2022 etwa ein Fünftel höher als im Vorjahr, wobei einzelne Komponenten wie beispielsweise Gas ein Vielfaches kosteten (Hamburgisches Weltwirtschaftsinstitut 2022). Entsprechend ziehen die Produzentenpreise an: Etwa drei Viertel der teilnehmenden Unternehmen der ifo-Konjunkturumfrage vom Juni 2022 haben von aktuellen und erwarteten Engpässen im Produktionsprozess berichtet (ifo Institut 2022). In der EES-Umfrage erwarten die Wirtschaftsexperten selbst bis 2026 erhöhte Inflationsraten von 3.1 Prozent in Westeuropa bis 4.1 Prozent in Südeuropa.

Die bisherige Reaktion der europäischen Zentralbanken wie der EZB, die im September 2022 die drei Leitzinssätze um 75 Basispunkte angehoben hat, ist von Kritikern teils als zu langsam und wenig ambitioniert angesehen worden. In diesem Zusammenhang wird auch die hausgemachte Gefahr von «Fiskalischer Dominanz» diskutiert, wonach die Geldpolitik durch hohe Schuldenstände der Länder eingeschränkt wird. Demnach haben viele europäische Staaten angesichts der jahrelang geringen Zinsen auf ihre Staatspapiere eine expansive Fiskalpolitik betrieben. Aufgrund der nunmehr hohen Schuldenstände relativ zur Wirtschaftsleistung reagiert die fiskalische Nachhaltigkeit einiger Länder, allen voran Italiens, im aktuellen Umfeld jedoch sensibel auf eigentlich notwendige Zinserhöhungen. Sollte sich diese Tendenz bewahrheiten, so kann eine langanhaltende Inflationsphase in Europa drohen.

Eine besondere Rolle nimmt Osteuropa ein, das durch den russischen Angriffskrieg in der Ukraine teils unmittelbar betroffen ist. Mit Blick auf den laufenden Konflikt erwarten die Experten für die Region einen Anstieg der Preise von 18.9 Prozent in 2022 und immerhin 13.9 Prozent im kommenden Jahr. Dabei gehen die befragten Teilnehmer von einem strukturellen Wandel aus: Selbst mittelfristig wird für 2026 eine durchschnittliche Inflation von 7.5 Prozent angenommen. Ähnlich hohe Werte werden auch für Zentralasien erwartet, das mindestens mittelbar vom Krieg betroffen ist. Zusätzlich zur humanitären Notlage schwächt der Konflikt somit auch auf breiter Front die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den betroffenen Weltregionen.

Nordamerika: Hohe Inflationserwartungen trotz scharfer Fed-Intervention

Auch in Nordamerika sind die Inflationserwartungen der Experten seit dem letzten Quartal deutlich gestiegen. Für 2022 rechnen sie nun mit Preissteigerungen von durchschnittlich 7.3 Prozent, im kommenden Jahr wird eine Inflation von 5.1 Prozent erwartet. Die aktuell steigenden Preise sind dabei auch auf fiskalische Konjunkturprogramme zurückzuführen. So wird geschätzt, dass die Covid-Rettungspakete der Biden-Regierung alleine im letzten Jahr die Inflationsrate um etwa 3 Prozentpunkte nach oben gedrückt haben (Jorda et al. 2022). Interessant ist, dass die befragten Wirtschaftsexperten selbst mittelfristig von einer erhöhten Inflation im Jahr 2026 von 3.3 Prozent ausgehen. Die in den USA beobachteten Inflationstendenzen, v.a. in den Bereichen Energie und Nahrungsmittel, scheinen somit einen fundamental-strukturellen Charakter zu haben. Auch die «unkonventionelle Geldpolitik» der letzten Jahre, deren Popularisierung auch auf den diesjährigen Nobelpreisträger Bernanke zurückzuführen ist, hat sicher einen Teil zur aktuellen Situation beigetragen.

Die amerikanische Notenbank hat scharf auf die jüngsten Preissteigerungen reagiert und den Leitzins von etwa 0 Prozent im März 2022 auf gegenwärtig etwa 3 Prozent angehoben. Die Fed hat in ihrer Kommunikation zudem anklingen lassen, dass weitere Zinserhöhungen auf bis zu 4.5 Prozent noch im laufenden Jahr folgen könnten. In den USA ist daraufhin eine Diskussion um den geldpolitischen Kurs entbrannt. Während Taylor (2022) in substantiellen Leitzinserhöhungen einen notwendigen Weg zur Preisstabilität sieht, mahnt Krugman (2022) Rezessionsgefahren durch das «harte Bremsen» der Zentralbank an. Die Inflationserwartungen konnten durch die Fed-Intervention jedoch nicht verglichen mit dem letzten Quartal gedämpft werden.

Implikation: Keine Ablenkung der Zentralbanken durch Nebenziele

Die Frage, was die Aufgabe von Zentralbanken ist, wird seit jeher unbestritten beantwortet: Die Inflation muss kontrolliert werden. Die wirtschaftlichen, politischen, aber vor allem sozialen Gefahren einer galoppierenden Inflation sind uns allen bekannt. Karl Bernhard, der erste Präsident der deutschen Bundesbank fasste es korrekt zusammen: «Stabiles Geld ist die Grundvoraussetzung für die Beständigkeit jeder sozialen und staatlichen Ordnung.» Und es gilt das Bonmot des legendären Bundesbankchefs der 1970er Jahre Otmar Emminger: Wer mit der Inflation flirtet, wird von ihr geheiratet“. Umso wichtiger ist es, dass das Mandat der Währungshüter nicht überstrapaziert wird.

Zweifelslos ändern sich Gewissheiten und Fakten, Geschmäcker und Gefühle, Dynamiken und Zusammenhänge. Eine Zentralbank darf sich der Entwicklung nicht verschliessen. Gleichzeitig sind Ungleichheit, Klimawandel oder Inklusion dringende Herausforderungen unserer Zeit. Die Bewältigung ebenjener Herausforderungen jedoch der Zentralbank aufzubürden, erscheint mehr der politischen Mode denn der geldpolitischen Notwendigkeit geschuldet. Die Überfrachtung der Geldpolitik mit zu vielen Zielen kann zu deren Misslingen führen. In diesem Zusammenhang prägte Jan Tinbergen, ein berühmter Ökonom und Nobelpreisträger aus den Niederlanden, ein simples wie geniales Prinzip: Für jedes wirtschaftspolitisches Ziel braucht man ein wirtschaftspolitisches Instrument. Das Ziel der Zentralbanken ist die Preisstabilität, ihr Instrument ist die Geldpolitik. Dabei sollte es bleiben. Für die Bewältigung der weiteren genannten Herausforderungen sollten andere wirtschaftspolitische Akteure Verantwortung übernehmen.

Zusammenfassung: Inflationsgefahren steigen weiter

Die weltweite Dynamik der Inflation nimmt weiter Fahrt auf. Die Interventionen der SNB waren notwendig, weitere geldpolitische Massnahmen werden wohl folgen müssen. Politik wie Gesellschaft in der Eidgenossenschaft sollte sich dabei stets daran erinnern, dass die Hauptaufgabe der Zentralbank die Wahrung der Preisstabilität ist – gerade in diesen Zeiten.

Hintergrund: Sonderumfrage des EES

Der Economic Experts Survey (EES) ist eine vierteljährliche Umfragereihe unter internationalen Wirtschaftsexperten, die gemeinsam vom Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) an der Universität Luzern und dem ifo Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München durchgeführt wird. Der EES misst auf globaler Ebene die Qualität von Wirtschaftspolitik und politischen Rahmenbedingungen anhand von Expertenaussagen. Die Ergebnisse werden vierteljährlich veröffentlicht. Der EES liefert durch die Einschätzungen der Teilnehmer zunächst qualitative Informationen, die für die folgende Interpretation der Ergebnisse aufbereitet werden. Die Ergebnisse des EES sind zeitnah verfügbar und international vergleichbar.

Im Rahmen der dritten Welle des EES zwischen dem 7. September 2022 bis zum 21. September 2022 wurden Sonderfragen zur Inflation gestellt. Die Umfrageteilnehmer wurden gebeten, ihre Erwartungen zur durchschnittlichen Preissteigerung in ihrem Land für die Jahre 2022, 2023 und 2026 anzugeben. Die Ergebnisse der dritten Umfragewelle basieren auf den Antworten von 1’687 Wirtschaftsexperten aus 129 Ländern.

Wir rekrutieren die Wirtschaftsexperten für die Umfrage aus zwei Gruppen. Die erste Gruppe sind renommierte Wirtschaftsexperten, die an Forschungsinstituten, Zentralbanken, multinationalen Unternehmen, Botschaften und internationalen Organisationen arbeiten. Die Experten aus dieser Gruppe sind handverlesen und haben Verbindungen zum international renommierten CESifo-Netzwerk. Die zweite Gruppe besteht aus führenden Akademikern und Forschern im Bereich der Wirtschaftswissenschaften gemäss internationalen Wissenschaftsrankings. Teilnehmer aus beiden Gruppen prägen oftmals die öffentlichen Wirtschaftsdebatten in ihrem Land. Die Experten beantworten die Fragen online und können dabei das Land auswählen, für das sie ihre Expertise zur Verfügung stellen möchten. Die Wirtschaftsexperten nehmen freiwillig an der Umfrage teil und erhalten für die Teilnahme keine Vergütung.

Wir verwenden 18 Weltregionen auf fünf Kontinenten, aufbauend auf der Definition der geografischen Regionen der Vereinten Nationen. Aufgrund von Datenbeschränkungen definieren wir alle Subregionen innerhalb Ozeaniens als eine Region und fassen die Regionen Zentralamerika und Karibik zu einer gemeinsamen Region zusammen. Aus den Antworten der Experten auf die einzelnen Fragen bilden wir für die Weltregionen zunächst das arithmetische Mittel für jedes Land und anschliessend das arithmetische Mittel für jede Weltregion. Die angegebene weltweite Inflationsrate ist der Median der durchschnittlich erwarteten Inflationsraten auf Länderebene. Der Median wird in Anlehnung an die Methodik der Weltbank für die Weltinflationsrate verwendet, weil sich die erwarteten Inflationsraten regional substantiell unterscheiden und in individuellen Ländern und Regionen teils drastisch höher sind als im übrigen Rest der Welt.

Die Auswertung der Ergebnisse wird zwischen den Forschungsteams der beiden beteiligten Institute koordiniert. Die mögliche Interpretation der Ergebnisse wird ebenso von den Forschungsteams besprochen, die finale Auswertung und Publikation erfolgt jedoch individuell. Die hier dargestellte Interpretation der Ergebnisse entspricht der Einschätzung des Instituts für Schweizer Wirtschaftspolitik.

Quellen

Hamburgisches Weltwirtschaftsinstitut (2022). HWWI-Rohstoffpreisindex. Verfügbar unter: https://www.hwwi-rohindex.de/ Ifo Institut (2022). Unternehmen erwarten Materialknappheit bis 2023. Pressemitteilung, verfügbar unter: https://www.ifo.de/pressemitteilung/2022-06-29/unternehmen-erwarten-materialknappheit-bis-2023 Jordà, Ò., Liu, C., Nechio, F., & Rivera-Reyes, F. (2022). Why Is US Inflation Higher than in Other Countries?. FRBSF Economic Letter7. Krugman, P. (2022). Is the Fed braking too hard?. The New York Times, 29. September 2022. Reis, R. (2022). The Burst of High Inflation in 2021-22: How and Why Did We Get Here?. CEPR Discussion Paper. Schnabl, G. (2022). Ursachen, Folgen und mögliche Therapien von Inflation: Lehren aus Japan. Präsentation im Rahmen des 12. Würzburger Ordnungstags. Taylor, J. (2022). What causes inflation? Stanford scholar explains. Weltbank (2022). Inflation, consumer prices (annual percentage). Verfügbar unter: https://data.worldbank.org/indicator/FP.CPI.TOTL.ZG