Rückgang der Inflation im neuen Jahr erwartet
Wie entwickeln sich weltweit die Erwartungen von Ökonomen über die zukünftige Preisentwicklung? Und wie robust bleibt der wirtschaftliche Aufschwung in den kommenden Jahren? Die aktuelle Umfrage des Economic Experts Survey (EES) des Instituts für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) und des ifo Instituts untersucht Inflations- und BIP-Erwartungen von Ökonomen auf globaler Ebene. Im Dezember 2023 nahmen insgesamt 1'431 Wirtschaftsexperten aus 124 Ländern an der Umfrage teil.
Zunächst zu den Preissteigerungen: Für 2024 liegt die erwartete Inflationsrate im weltweiten Mittel bei 5 Prozent. Die prognostizierte durchschnittliche Rate ist somit deutlich niedriger als die Erwartungen im vorherigen Jahr, weltweit befinden sich die Preissteigerungen jedoch weiterhin auf einem hohen Niveau.
Mit einer durchschnittlichen erwarteten Inflationsrate von 4.4 Prozent wird auch für das Jahr 2025 im Mittel ein leichter Rückgang gegenüber 2024 erwartet. In der langen Frist bis 2027 bleiben die Inflationserwartungen mit 3.6 Prozent jedoch weiter hoch.
Die Inflationserwartungen unterscheiden sich in den Weltregionen wie bereits in den früheren Umfragewellen stark. Für 2024 erwarten die Experten in Westeuropa die niedrigsten Inflationsraten weltweit mit 3.1 Prozent. Nur leicht darüber sind die Erwartungen für Nordamerika und Nordeuropa. Im Gegensatz dazu rechnen die Experten in Regionen wie Nordafrika mit 45 Prozent oder Südamerika mit 29 Prozent kurzfristig mit weit überdurchschnittlichen Inflationsraten.
Für die Schweiz soll die durchschnittliche Inflation für 2024 laut den Experten bei 2 Prozent liegen. Damit wäre man in etwa bei dem Zielwert für Preisstabilität der Schweizer Nationalbank (SNB). In den Folgejahren sollen die Preissteigerungen dann unter die 2 Prozent-Marke fallen: Für 2025 wird eine Inflation von 1.5 Prozent hierzulande erwartet, in der langen Frist bis 2027 soll mit einer Inflation von 1.3 Prozent ein geringer Preiszuwachs erfolgen.
Aussichten für das Wirtschaftswachstum stark von Weltregion abhängig
Die globale Wirtschaft erlebte während der Covid-19-Pandemie einen starken Rückgang ihrer Aktivität. Die folgende Aufschwungs- bzw. Erholungsphase erfolgte nur schrittweise. Grund für die teils stockende Wirtschaftsentwicklung waren vor allem geopolitische Konflikte, anhaltende Unterbrechungen der Lieferketten und eine hohe Inflation. Im Economic Experts Survey für das vierte Quartal 2023 haben wir die Experten nach ihren Erwartungen für das reale BIP-Wachstum im Jahr 2024 als kurzfristige Prognose sowie in den Jahren 2025 und 2027 für die mittel- und längerfristige Prognose gefragt.
Die Wirtschaftsexperten aus aller Welt erwarten für 2024 ein durchschnittliches BIP-Wachstum von 2.6 Prozent. Die Erwartungen liegen damit leicht unter dem tatsächlich realisierten Wirtschaftswachstum im Vorjahr von global etwa 2.7 Prozent. Für die mittel- und langfristige Entwicklung sind die Erwartungen tendenziell optimistischer: Für 2025 wird ein globales Wachstum von 2.9 Prozent und für 2027 ein Anstieg auf global 3.3 Prozent erwartet.
Vor allem Experten aus Afrika und Asien erwarten für 2024 eher höhere Wachstumsraten. So sollen etwa Westafrika mit 4.4 Prozent und Südostasien mit 4.7 Prozent im Jahr 2024 den Experten zufolge am schnellsten wachsen. Für Europa mit im Mittel 1.9 Prozent und Amerika mit 2.3 Prozent sind die Experten eher verhalten.
Für Europa erwarten die Experten insgesamt, dass sowohl das kurz-, mittel- als auch das langfristige Wachstum unter dem weltweiten Durchschnitt der letzten zehn Jahre liegen wird. Für das laufende Jahr sind vor allem die Experten in einigen Ländern Nordeuropas pessimistisch. So werden für das Vereinigte Königreich, Schweden oder Finnland Wachstumsraten von unter 0.5 Prozent erwartet. Aber auch für unsere direkten Nachbarn in Deutschland mit 0.6 Prozent oder Österreich mit 0.9 Prozent ist das Wirtschaftswachstum wenig robust.
Etwas besser sieht es für die Schweiz aus. Kurzfristig in 2024 wird von den Experten hierzulande ein BIP-Wachstum von 1.3 Prozent erwartet. Mittelfristig soll das Wachstum auf 1.5 Prozent im kommenden Jahr und langfristig 1.6 Prozent in 2027 betragen.
Zusammenfassung
Die Preissteigerungen sind weiterhin erhöht, jedoch lässt der erwartete Inflationsdruck im Vergleich zu den früheren Umfragewellen etwas nach. Für das laufende Jahr werden Preissteigerungen von 5 Prozent im globalen Mittel erwartet, die bis 2025 auf 4.4 Prozent und bis 2027 auf 3.6 Prozent fallen sollen. Für die Schweiz werden Preissteigerungen von 2 Prozent in diesem Jahr, 1.5 Prozent in 2025 und 1.3 Prozent im Jahr 2027 erwartet.
Global wird für das Jahr 2024 ein Wirtschaftswachstum von 2.4 Prozent erwartet. Die BIP-Steigerungen sollen mittelfristig 2.9 Prozent für 2025 und langfristig 3.3 Prozent für 2027 betragen. In Europa bewegen sich die erwarteten Zuwächse bei der Wirtschaftskraft für 2024 zwischen 1.1 Prozent für Westeuropa und 2.4 Prozent im südlichen Europa. Speziell für die Schweiz soll das BIP-Wachstum im laufenden Jahr bei 1.3 Prozent, im nächsten Jahr bei 1.5 Prozent und bis 2027 bei 1.6 Prozent liegen.