Das Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) an der Universität Luzern hat am 9. September 2025 zum zweiten Mal den IWP-Preis für exzellenten Wirtschaftsjournalismus verliehen. Der Preis ging an Dr. Arthur Rutishauser, Chefredaktor der Sonntagszeitung, für seine beiden Artikel «Wie Lehmann und Körner die Rettung verspielten», erschienen am 16. März 2025 in der Sonntagszeitung, sowie «Das grosse Versagen des Parlaments», erschienen am 8. Dezember 2024 ebenfalls in der Sonntagszeitung. Die feierliche Preisverleihung fand im Carl-Spitteler-Auditorium an der Universität Luzern statt.
Die beiden Texte von Rutishauser hätten die Jury durch ihre faktenbasierte Analyse, stringente Argumentation, verständliche Sprache und die relevanten wirtschaftspolitischen Erkenntnisse überzeugt, sagte Jurymitglied Dr. Reinhard Sprenger in seiner Laudatio. Leider hätten Rutishausers Beiträge die wirtschaftspolitische Debatte nicht nachhaltig geprägt – weniger aus Mangel an Substanz als vielmehr wegen des Publikums, das sie nicht aufgenommen habe. Denn ein in den Sumpf geworfener Stein werfe bekanntlich keine Ringe. In der Schweizer Politik werde weiterhin ein Reparaturaktionismus gepflegt, der künftige Krisen nicht abzuwenden vermöchte. Auch die strukturellen Fehlanreize in den Grossunternehmen bestünden fort: Gewinne würden privatisiert, Verluste hingegen der Allgemeinheit aufgebürdet.
Peter Wanner, Verleger und Verwaltungsratspräsident der CH Media Holding AG, machte in seiner Keynote auf ein doppeltes Glaubwürdigkeitsproblem der Wirtschaft aufmerksam. Einerseits hätten sich die Eliten zunehmend von der Bevölkerung entfremdet: An die Stelle der Patrons seien austauschbare Manager getreten, die keinen persönlichen Bezug mehr zu ihren Mitarbeitern oder zur Gesellschaft hätten. Andererseits hätten konkrete Ereignisse das Vertrauen der Öffentlichkeit erschüttert – vom Grounding der Swissair 2001 über die Rettung der UBS 2008 bis hin zum Untergang der Credit Suisse 2023. Diese Zäsuren hätten das Bild der Wirtschaft in weiten Teilen der Bevölkerung geprägt und ein Klima von Misstrauen, Unbehagen und teils offener Feindseligkeit geschaffen. Dem müsse entschieden entgegengetreten werden, sagte Wanner. Die «Boni-Kultur» sei abzuschaffen, legitim seien Sondervergütungen nur bei echten Gewinnen. Vor allem aber müssten sich die anständigen Unternehmer, Eigentümer und Patrons mit ihrer Glaubwürdigkeit wieder stärker in den öffentlichen Diskurs einbringen. Die Angst vor Shitstorms sei übertrieben.