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Von Prof. Dr. Christoph A. Schaltegger, Direktor Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) an der Universität Luzern 19. November 2025

Budget: Effizienz statt Expansion.

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Worum geht es?

Im nahenden Dezember folgt das jährliche Ritual der Budgetdebatte im Bundesparlament. Dieses Jahr verspricht die sonst eher trocken anmutende Materie besonders spannend zu werden. Da die vorliegenden Finanzpläne ohne Korrekturmassnahmen eine Verletzung der verfassungsrechtlichen Vorgabe der Schuldenbremse nahelegen, verbindet sich die Budgetdebatte mindestens rhetorisch mit dem vom Bundesrat unterbreiteten Entlastungsprogramm 27 (EP27). Konkret stehen die Politiker vor der Situation, wie sie sich jedem Haushaltsvorstand präsentiert: Die Summe der politischen Wünsche ist grösser als die Summe der finanziellen Möglichkeiten.

«Die Summe der politischen Wünsche ist grösser als die Summe der finanziellen Möglichkeiten.»

Christoph A. Schaltegger

Das kommende Gefeilsche auf dem Basar der Interessen sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Schweiz kein Einnahmeproblem, sondern ein Ausgabeproblem hat. Im Vergleich zum Vorjahresbudget ist für 2026 ein Wachstum der Bundeseinnahmen von sage und schreibe 5 Prozent veranschlagt – von Sparsamkeit kann beim besten Willen keine Rede sein. Damit gehen üppige Ausgabenspielräume einher. Unter diesen Voraussetzungen die Schuldenbremse in Frage zu stellen, wäre nicht nur ambitions-, sondern auch verantwortungslos.

Warum zählt es?

Für die Finanzpolitiker lohnt sich daher ein Blick in den diesjährigen Fiscal Monitor des Internationalen Währungsfonds. Der IWF ist eine Organisation, bei der die Schweiz seit 1992 in prominenter Stellung mitarbeitet. Zusammen mit Polen stellt sie alternierend einen von insgesamt 24 Exekutivdirektoren und führt eine Stimmrechtsgruppe an. Der Fiscal Monitor vom Oktober 2025 steht unter dem Titel «Spending Smarter – How Efficient and Well-Allocated Public Spending Can Boost Economic Growth» und untersucht, wie Regierungen durch eine gezieltere und effizientere Ausgabenpolitik das Wirtschaftswachstum stärken können, ohne mehr Geld auszugeben. Angesichts steigender Verteidigungsausgaben, demografischer Alterung und wachsender Zins- und Verschuldungsrisiken sind öffentliche Haushalte in Europa und anderswo zunehmend angespannt. Zugleich sind grosse Teile der Ausgabenstrukturen starr und schwerfällig. Der Bericht des IWF argumentiert deshalb, dass eine Verbesserung der Ausgabeneffizienz und -zusammensetzung zentraler Hebel ist, um fiskalische Nachhaltigkeit und wirtschaftliches Wachstum miteinander zu verbinden.

Im Zentrum der Analyse stehen die sogenannten Effizienzlücken öffentlicher Ausgaben. Der IWF zeigt, dass Regierungen weltweit deutlich mehr erreichen könnten, wenn sie bestehende Mittel effizienter einsetzten. Schätzungen zufolge liegen die bestehenden Effizienzdefizite bei rund 31 Prozent in fortgeschrittenen Volkswirtschaften. Das gilt im Durchschnitt. Auch wenn dieser Wert in der Schweiz tiefer liegen dürfte, sind bei einem aktuellen Budgetvolumen von knapp 90 Mrd. CHF für das Jahr 2026 enorme Summen im Spiel. Summen, die staatliches Handeln stärken können, ohne den Steuerzahler noch stärker in Anspruch zu nehmen. Besonders deutlich wird dies in den Bereichen Infrastruktur, Bildung, Gesundheit und Forschung & Entwicklung – genau jenen Sektoren, die langfristig am meisten zur Produktivitätssteigerung beitragen können. Die strukturelle Starrheit der Budgets, vor allem durch Fixkosten wie Zinszahlungen oder Personalausgaben, schränkt die Möglichkeit allerdings ein, Mittel in wachstumsfördernde Bereiche umzulenken.

Vitor Gaspar, scheidender Direktor der IWF-Fiskalabteilung, betont, dass Wachstum vor allem durch wirksame Mittelverwendung und nicht höhere Staatsausgaben entstehe.

Eine zentrale Rolle spielen dabei gemäss IWF die öffentlichen Lohn- und Gehaltsausgaben. Diese machen im Durchschnitt etwa ein Viertel der gesamten Staatsausgaben aus. In der Schweiz wird dieser Wert beim Bund deutlich unterschritten – auch deshalb, weil die Kantone und Gemeinden mit vergleichsweise grösseren Kompetenzen ausgestattet sind als in anderen Ländern. Öffentliche Löhne sind jedenfalls nicht nur fiskalisch relevant, sondern prägen auch die Qualität staatlicher Dienstleistungen – und sie bestimmen, wie viel Spielraum für andere politische Prioritäten bleibt.

Der IWF weist erstmals in aller Deutlichkeit darauf hin, dass öffentliche Löhne häufig über dem privaten Marktniveau liegen. Dieses sogenannte Wage Premium ist ein strukturelles Problem vieler Volkswirtschaften – auch der Schweiz. Wir am Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) haben in einer aufwendigen Studie eine Lohnprämie von aktuell durchschnittlich etwa 12% der Bundesangestellten gegenüber gleichqualifizierten Arbeitnehmern in der Privatwirtschaft errechnet. Die Bundesverwaltung ist damit im Bereich der Entlöhnung systematisch attraktiver als ihre private Konkurrenz. Die Grafik zeigt die vom IWF ausgewiesene Spannweite der Lohnprämien in westlichen Ländern; der Bund liegt am oberen Rand dieser Bandbreite.

Dieser Befund ist nicht nur finanzpolitisch relevant, sondern schafft auch Anreize, talentierte Arbeitskräfte aus dem privaten in den öffentlichen Sektor zu ziehen. Es schwächt ausserdem unternehmerische Dynamik und kann zu Lohn- und Inflationsspiralen beitragen, wenn der öffentliche Sektor als Referenzgrösse für Lohnverhandlungen dient. Zudem sind Personalausgaben im öffentlichen Sektor besonders persistent – sie lassen sich kurzfristig kaum senken oder umschichten, was die fiskalische Flexibilität einschränkt. Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Abschwächung oder steigender Finanzierungskosten kann dies die Fähigkeit von Regierungen begrenzen, schnell auf neue Herausforderungen zu reagieren.

Was daraus folgt

Der Bericht des IWF empfiehlt daher, die Verwaltung öffentlicher Löhne gezielter zu gestalten. Dazu gehören ein systematisches Benchmarking öffentlicher Löhne gegenüber vergleichbaren Tätigkeiten im privaten Sektor, der Ausbau digitaler Personal- und Gehaltsdatenbanken sowie eine strengere Überprüfung beispielsweise über die Finanzkontrolle.

Politisch unterstreicht der IWF, dass es dabei nicht um Kürzungen per se, sondern um eine Umlenkung bestehender Mittel geht. Eine Reallokation von wenig produktiven Ausgaben – einschliesslich überhöhter Personalkosten – hin zu Investitionen in physisches und Humankapital könne das langfristige Wachstum deutlich steigern. Modellrechnungen zeigen, dass ein permanenter Anstieg solcher produktiven Ausgaben um nur ein Prozent des BIP, finanziert durch Einsparungen bei ineffizienten Ausgabeposten, das Potenzialwachstum merklich erhöhen kann.

Für Länder mit gut entwickelten öffentlichen Institutionen – wie der Schweiz – ergeben sich aus dem Bericht des IWF wichtige Anhaltspunkte. Der öffentliche Sektor sollte regelmässig überprüfen, ob die Löhne seiner Beschäftigten mit deren Produktivität und dem privaten Arbeitsmarkt im Einklang stehen. Eine sachgerechte Lohnpolitik und effiziente Personalsteuerung können helfen, Ressourcen freizusetzen, die für Bildung, Gesundheit oder Innovation genutzt werden können. Der IWF betont, dass nicht höhere Staatsausgaben, sondern intelligenter strukturierte und besser gemanagte Ausgaben der Schlüssel zu nachhaltigem Wachstum sind.

Was können die Finanzpolitiker im Bundesparlament aus der Lektüre der IWF-Studie mitnehmen? Im Grundsatz ist die Botschaft des Fiscal Monitor 2025 klar und eindeutig: Effizienz statt Expansion. Regierungen können durch eine gezieltere Gestaltung ihrer Ausgabenpolitik – auch durch die Optimierung der Staatsangestellten und der Staatslöhne – erheblichen fiskalischen Spielraum gewinnen. Damit lassen sich wirtschaftliche Dynamik und soziale Ziele zugleich fördern, ohne neue Schuldenberge aufzutürmen. Die Zukunft der Fiskalpolitik liegt nicht in mehr, sondern in klügerem staatlichen Handeln.