Studien
IWP 13. Juli 2023

Bildungsausgaben: Ist mehr immer besser?

School kids running in schoolyard

«Es gibt nur eines, was auf Dauer teurer ist als Bildung: keine Bildung.» – Dieses berühmte Zitat des 35. US-Präsidenten John F. Kennedy unterstreicht die grosse Bedeutung der Bildung für die Wirtschaft und die Gesellschaft eines Landes. Zahlreiche Studien belegen, dass ein gutes Bildungssystem ein wesentlicher Grundbaustein für Wirtschaftswachstum ist und langfristig auch die wirtschaftliche Ungleichheit zu reduzieren vermag. Lässt sich aus Kennedys Zitat aber auch ableiten, dass höhere Bildungsausgaben in jedem Fall besser sind? Dieser Frage sind Matthias Biedermann, Dr. Melanie Häner und Prof. Dr. Christoph A. Schaltegger in einer Studie nachgegangen, die kürzlich in der Fachzeitschrift European Journal of Political Economy peer-reviewed veröffentlicht wurde. Darin haben die Autoren die Bildungsausgaben der Schweizer Kantone näher unter die Lupe genommen.

Dem Schweizer Bildungswesen lässt sich in vielerlei Hinsicht ein gutes Zeugnis ausstellen: Das duale Bildungssystem ist international vielbeachtet, die Jugendarbeitslosenquoten gehört zu den geringsten Europas, und rund 90 Prozent der Schweizer Schüler erreichen die Grundkompetenzen im Lesen in der Schulsprache. Wie die folgende Abbildung zeigt, fallen in der obligatorischen Schule die Pro-Schüler-Ausgaben der Kantone allerdings sehr unterschiedlich aus. Im Schweizer Durchschnitt wurde 2019 rund 18‘400 Franken pro Schüler ausgegeben. Im Kanton Wallis waren es lediglich rund 13‘300 Franken, während sich der Betrag im Kanton Basel-Stadt auf rund 28‘600 Franken belief.

Die Analyse der Bildungsqualität in den Kantonen zeigt, dass es keinen statistisch relevanten Zusammenhang zwischen höheren Bildungsausgaben und höherem Erreichungsgrad der Grundkompetenzen gibt. Auch Kinder aus bildungsfernen Familien profitieren nicht davon, in Kantonen mit hohen Pro-Schüler-Ausgaben in die Schule zu gehen. Zudem bestätigt die Studie bisherige Ergebnisse, wonach Kinder, die zu Hause eine andere Sprache als die Schulsprache sprechen, eine signifikant geringere Wahrscheinlichkeit haben, die Grundkompetenzen zu erreichen.

«Die Verwendung der Bildungsausgaben scheint wichtiger zu sein als ihre blosse Höhe.»

Matthias Biedermann, Melanie Häner & Christoph A. Schaltegger

Was lässt sich aus der Studie ableiten? Bildung ist und bleibt ein zentraler Motor der Schweizer Volkswirtschaft und Gesellschaft. Das Zitat von Kennedy sollte aber nicht so ausgelegt werden, dass höhere Bildungsausgaben in jedem Fall besser sind. Vielmehr sollte der Fokus auf die effiziente Mittelverwendung gelegt und das Schweizer Schulsystem einer regelmässigen Qualitätskontrolle unterzogen werden. So wäre beispielsweise eine verbesserte sprachliche Integration fremdsprachiger Kinder ein möglicher Ansatzpunkt für die Ausrichtung der Bildungsausgaben.