1. Inflation: kurzfristig Entspannung, langfristig Stress
Die Inflationserwartungen liegen weiterhin deutlich über dem Ziel der Zentralbanken in entwickelten Volkswirtschaften: Für 2024 beträgt die erwartete durchschnittliche Inflationsrate weltweit 4.6 Prozent. Im kommenden Jahr 2025 sollen die globalen Preissteigerungen 4.4 Prozent erreichen und langfristig bis 2027 auf 4 Prozent fallen. Als Haupttreiber der Inflation werden weltweit vor allem Lieferkettenprobleme, Energiepreise, eine schlechte Regierungsführung und der russische Angriffskrieg auf die Ukraine genannt.
Die Inflationserwartungen variieren global stark. Für 2024 erwarten die Experten in Nordamerika etwa 3.1 Prozent an Preissteigerungen. Im Gegensatz dazu kommen die Experten in Regionen wie Nordafrika (35 Prozent) und Südamerika (26 Prozent) kurzfristig auf weit überdurchschnittliche Inflationsraten. Die unterschiedliche Einschätzung setzt sich auch für die Zukunft fort. Die höchsten langfristigen Inflationsraten werden in Ostafrika mit 41 Prozent und Nordafrika mit 18 Prozent angegeben, auch in Teilen Asiens sind die erwarteten Preissteigerungen mit bis zu 11 Prozent erhöht.
Für Europa verzeichnet der Westen des Kontinents mit 2.8 Prozent die niedrigsten Inflationserwartungen weltweit. Dieser Trend setzt sich fort: In der langen Frist bis 2027 erwarten die Experten Inflationsraten in Westeuropa von 2.0 Prozent, in Südeuropa von 2.6 Prozent und in Nordeuropa von 2.8 Prozent, womit man fast auf das von den Zentralbanken angestrebte Inflationsziel annähern würde. Höhere langfristige Inflationserwartungen werden hingegen in Osteuropa mit 5.1 Prozent registriert, das weiterhin von den kriegerischen Handlungen Russlands gegen die Ukraine gekennzeichnet ist. Speziell für die Schweiz erwarten die Experten für das laufende Jahr 2024 eine Inflationsrate von 1.8 Prozent. Im kommenden Jahr sollen die Preissteigerungen auf 1.5 Prozent fallen und auf diesem Niveau langfristig bis zum Jahr 2027 verbleiben.
2. Wirtschaftspolitik und politische Rahmenbedingungen: Westeuropa als Schlusslicht
Die globale Bewertung der wirtschaftspolitischen Situation im EES erfolgt durch die Kombination der Bewertungen der Experten zur aktuellen Wirtschaftspolitik der Regierungen und zur Frage, wie gut die Politik zukünftige Herausforderungen bewältigt. Weltweit sind diese Einschätzungen durch die Experten im Vergleich zum vorherigen Quartal leicht besser ausgefallen. Bemerkenswert ist, dass die Bewertungen der Wirtschaftspolitik durch die Experten in allen Regionen Europas wiederholt unter null fallen, was auf einen kontinuierlichen Rückgang der wahrgenommenen Qualität von wirtschaftspolitischen Entscheidungen hinweist. Gerade in Westeuropa nimmt der Pessimismus zu. Speziell für die Schweiz ist eine Verschlechterung der wirtschaftspolitischen Einschätzung festzustellen, wobei auf Herausforderungen bei der Energiepolitik und der Ausweitung der AHV-Leistungen hingewiesen wird.
Die Experten werden gebeten, die politische Situation im ersten Quartal 2024 mit der des vorherigen Quartals zu vergleichen. Die Bewertung ist dabei ein Aggregat, das zu gleichen Teilen auf zwei Antworten der Experten basiert: (i) die Bewertung der Regierungsleistung und (ii) ihre Ansichten über den Grad der politischen Stabilität in ihrem Land der Expertise. Weltweit hat sich über die letzten 3 Monate nur minimal etwas an den globalen Einschätzungen geändert. Im Durchschnitt erkennen die Experten im Vergleich zum vorherigen Quartal leichte Verbesserungen in der aktuellen politischen Situation. Im Gegensatz dazu hat Europa in allen Teilregionen einen stetigen Abwärtstrend bei der Bewertung der politischen Führung verzeichnet. Obwohl sich der Abwärtstrend über die letzten Befragungswellen etwas verlangsamt zu haben scheint, bleiben die Bewertungen der Experten negativ, wobei die Experten in Westeuropa die pessimistischsten Ansichten zur politischen Situation haben.
3. Zusammenfassung
In der aktuellen Umfragewelle des Economic Experts Survey (EES) wurden Einschätzungen von 1'508 Wirtschaftsexperten aus 125 Ländern zur Inflation, wirtschaftspolitischen Situation und den politischen Rahmenbedingungen weltweit abgefragt. Die kurzfristigen Inflationserwartungen sinken im Vergleich zu den letzten Umfragewellen, bleiben jedoch mit einem weltweiten Mittel von 4.6 Prozent auf einem hohen Niveau. Auch langfristig bis 2027 werden erhöhte Preissteigerungen von 4 Prozent erwartet. Speziell für die Schweiz werden Inflationsraten von 1.8 Prozent für 2024 und von 1.5 Prozent in der mittleren bis langen Frist erwartet.
In Bezug auf die Wirtschaftspolitik sind die befragten Experten eher optimistisch. Westeuropa ist dabei jedoch eine Ausnahme, wo ein kontinuierlicher Rückgang der wahrgenommenen Qualität von wirtschaftspolitischen Entscheidungen aus den Antworten ersichtlich wird. Für die Schweiz wird etwa auf Herausforderungen in der Energiepolitik und beim Ausbau der AHV-Leistungen verwiesen. Auch bei den politischen Rahmenbedingungen erkennen die Experten in Europa einen stetigen Abwärtstrend, in Westeuropa die pessimistischsten Ansichten zur politischen Situation vorherrschen.