Studien
IWP 15. November 2023

100 Jahre Hyperinflation: Warum der Schweiz dieses Schicksal erspart blieb.

Finanzwesen / Banknoten / Deutsches Reich (Banknoten der Inflation 1919–24).

Eine Billion Mark / Berlin, den 5. November 1923 / Reichsbankdirektorium.

Privatfirmendruck, einseitig bedruckt,

Wasserzeichen: Kreuzblüten.
Zählung: AR 6stellig.
Berlin, Sammlung Archiv für Kunst und Geschichte.

Vor 100 Jahren, am 15. November 1923, endete mit der Einführung der Rentenmark einer der spektakulärsten Währungszusammenbrüche der Geschichte. Prof. em. Dr. Ernst Baltensperger und Prof. Dr. Christoph A. Schaltegger, Direktor des Instituts für Schweizer Wirtschaftspolitik, nehmen den Jahrestag zum Anlass, in einer Studie der Frage nachzugehen, warum der Schweiz das Schicksal einer Hyperinflation erspart blieb. Ein Auszug aus der Studie ist am 15. November 2023 in der «Neuen Zürcher Zeitung» erschienen.

Während des Kriegs wurde in beiden Ländern monetäre Staatsfinanzierung betrieben, betonen die Autoren eine wichtige Gemeinsamkeit zwischen beiden Ländern. Dies war neben der kriegsbedingten Verknappung von Waren ein wichtiger Treiber der Inflation. Sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland wurde versucht, den Preisauftrieb mit Preiskontrollen und Zwangsmassnahmen zu bremsen. Damit konnte ein Anstieg der Konsumentenpreise allerdings nicht verhindert werden. Bei Kriegsende waren die Preise in der Schweiz doppelt und in Deutschland dreimal so hoch wie bei Kriegsausbruch.

Obwohl die Preiskontrollen nach Kriegsende aufgehoben wurden und damit immer noch ein erhebliches Inflationspotential vorhanden war, war der Weg in die Hyperinflation nicht vorgezeichnet. Den grössten Unterschied machte die Finanz- und Währungspolitik in den Jahren nach dem Kriegsende, schreiben Baltensperger und Schaltegger. In der Schweiz war die Forderung nach einer Rückkehr zu den Vorkriegsverhältnissen politisch breit abgestützt. Dies bedingte eine restriktive Finanzpolitik und einen Abbau der Geldmenge. So gelang es, den Schweizer Franken stabilisieren. Der Preis dafür war eine kurze ,aber heftige Nachkriegskrise, die von hoher Arbeitslosigkeit geprägt war.

Anders in Deutschland, wo die schnell wechselnden Regierungen der Weimarer Republik nicht in der Lage waren, die finanziellen und monetären Bedingungen wieder unter Kontrolle zu bringen. Obwohl Deutschland im Unterschied zu vielen anderen Ländern nicht in eine Nachkriegskrise geriet, übernahm der Staat eine aktivere Rolle im Bereich der Sozial-, Wohnbau- und Bildungspolitik. Dies liess sich nur durch eine weitere Verschuldungszunahme realisieren. Der Geldumlauf stieg unaufhörlich, das Vertrauen in die Notenbank und die Währung schwand. Aus der Inflation wurde eine Hyperinflation, auf deren Höhepunkt ein US-Dollar 4.2 Billionen Reichsmark kostete. Diese Entwicklung konnte erst mit der Einführung der Rentenmarkt am 15. November 1923 gestoppt werden. Die Währungsreform sorgte schnell für Stabilität, dafür waren die Ersparnisse der Deutschen endgültig dahin.

Baltensperger und Schaltegger unterstreichen, das in der Schweiz der klare Wille zur Rückkehr zu stabilitätsorientierten Vorkriegsverhältnissen in der Finanz- und Geldpolitik und die politische Realisierbarkeit einer solchen Politik den Boden für neues Vertrauen in die Währung ebneten. Welche weiteren Lehren aus dem Vergleich zwischen Deutschland und der Schweiz sonst noch gezogen werden können, lesen Sie in der Studie.