«Wir haben die Volksschule inhaltlich zerdehnt», sagt Carl Bossard.
Herr Bossard, Hand aufs Herz: Waren Sie als Schüler eigentlich gern in der Schule?
Warum nicht? Selbstorientiert gilt unter Lehrern doch als zeitgemäss.
Zur Person
Dr. phil. Carl Bossard ist ausgebildeter Sekundar- und Gymnasiallehrer. Heute ist er als Referent und Kursleiter tätig, aktuell als Lehrbeauftragter der PH Heidelberg, und publiziert regelmässig zu Bildungs- und Gesellschaftsfragen. Zuvor war er Rektor des kantonalen Gymnasiums Nidwalden, Gesamtdirektor der Kantonsschule Alpenquai Luzern und Gründungsrektor der Pädagogischen Hochschule PH Zug. Bossard studierte an den Universitäten Freiburg und Montpellier Sekundarlehrer, später Schweizer Geschichte, Pädagogik sowie Turn- und Sportlehrer II an der Universität Bern, wo er auch promovierte.

Dann ist für Sie der Lehrer als Coach ein verunglückter Begriff?
Eltern, Lehrer, Politik und Öffentlichkeit – alle verbinden unterschiedliche Erwartungen mit der Schule. Aus Ihrer Sicht als ehemaliger Lehrer, Rektor und Dozent: Worin liegt denn der Kernauftrag der Volksschule?
«Kinder müssen etwas wissen, etwas können, und beides soll ihr Denken und Handeln leiten.»
Können Sie das konkretisieren?
Klingt einleuchtend. Was braucht es, damit dieser Auftrag im Schulalltag tatsächlich erfüllt werden kann?
Liegt das am vielbeschworenen und vielgescholtenen Lehrplan 21?
«Der Lehrplan 21 mit seinen Hunderten von Kompetenzen und Kompetenzstufen verliert den Blick fürs Wesentliche.»
Sie plädieren für eine Entschlackung des Lehrplans 21 zugunsten der Grundfertigkeiten. Welche Kompetenzen sollten im Zentrum stehen – und wo sehen Sie konkreten Streichbedarf?
Aber etwas fehlt: praktische Wirtschaftskompetenz. Warum tut sich die Volksschule so schwer damit, sie zu vermitteln - gehört diese Kompetenz nicht zu den Grundfertigkeiten eines gelingenden Lebens?
Wie kann Schule wirtschaftliche Tüchtigkeit und humane Bildung verbinden?
«Wer planen, abwägen und Verantwortung tragen kann, wird nicht unmenschlicher, sondern selbstständiger.»
Wie viel Staat, wie viel Eigenverantwortung braucht die Schule?
Eine IWP-Studie hat gezeigt, dass höhere Bildungsausgaben nicht zwingend zu besseren Schülerleistungen führen. Wenn Geld allein nicht entscheidend ist: Was ist es dann?
«Entscheidend ist nicht die Höhe der Ausgaben, sondern die Qualität des Unterrichts.»