«Finanzmärkte denken kurzfristig und wirtschaftlich», sagt Felix W. Zulauf.
Lieber Herr Zulauf, angesichts der momentanen Weltlage: Zögern Sie den Blick auf die News am Morgen möglichst lange hinaus – oder schauen Sie noch vor dem ersten Kaffee aufs Handy?
Sie sprechen die militärischen Konflikte an. Welche Auswirkungen auf die Finanzmärkte hat die jüngste Militäroperation der USA in Venezuela?
Zur Person
Felix W. Zulauf hat über 40 Jahre Erfahrung in der Vermögensberatung und ist Experte für Finanzmärkte. Er publiziert regelmässig einen Börsenbrief zu Makrothemen wie Geopolitik, Konjunktur oder Aktienindices für eine institutionelle Kundschaft in über 30 Ländern und 5 Kontinenten. Zuvor war er Inhaber der Zulauf Asset Management AG in Zug, die er 2009 grösstenteils verkaufte und in sein privates Family Office umwandelte. Zulauf begann seine Karriere beim Schweizerischen Bankverein Anfang der 1970er Jahre und arbeitete in den 1980er Jahren bei der UBS als Globalstratege und Leiter der institutionellen Portfolio-Management-Gruppe.

Sind es denn Ereignisse wie die amerikanische Militäraktion in Venezuela, die den Verlauf der Finanzmärkte bestimmen – oder reagieren die Märkte letztlich stärker auf langfristige wirtschaftliche Entwicklungen?
Wenn sich Risiken oft über Jahre aufbauen und im Nachhinein klar erkennbar sind: Weshalb scheitern selbst Experten dennoch immer wieder an der Vorhersage von Finanzkrisen?
«Die Trickkiste der Behörden mit Manipulationen, um die Finanzmärkte bei Laune zu halten, ist gross.»
Dann sind Finanzkrisen also eigentlich unvorhersagbar?
Dann machen wir die Probe aufs Exempel: Wann bricht Ihrer Meinung nach die nächste globale Finanzkrise aus?
Wie bewerten Sie die Entwicklung der Staatsverschuldung in Europa und den USA?
«Es läuft alles auf ein gefährliches Spiel hinaus, welches die USA, aber auch Europa, spielen. Alle leben über ihren Verhältnissen.»
Der libanesische Finanzmathematiker Nassim Nicholas Taleb betont, dass belastbare Einschätzungen vor allem dort entstehen, wo man selbst ein Risiko trägt. Investieren Sie selber in die Bereiche, die Sie Ihren Kunden zur Anlage empfehlen?
Lassen Sie uns an Ihrer Expertise teilhaben: Welche Geldanlagen empfehlen Sie in der heutigen Zeit Schweizer Anlegern?
Also keine Immobilien mehr kaufen – was halten Sie von Aktien?
Und Gold?
«Grundsätzlich leben wir in einem System, das zu Inflationierung und Geldabwertung neigt.»
Wo lauern die grössten Gefahren für Schweizer Anleger?
Wie wirkt sich die stetige Aufwertung des Schweizer Frankens auf Schweizer Anleger aus?
Das tönt fast so, als ob Sie kein Vertrauen mehr in die Schweizer Politik hätten?
Ein grosser Trumpf der Schweiz gegenüber vielen anderen Ländern ist die tiefe Schuldenquote. Kann der Bund also entspannt in die Zukunft blicken?
«Noch ist die Schweiz gut, aber sie ist auch nicht mehr so gut und solide, wie sie es einmal war.»