«Deutschland muss die Kosten für Unternehmen senken», sagt Lars P. Feld.

Interview von Marcel Schelbert
Lieber Herr Professor Feld, Deutschland nimmt in historischem Umfang neue Schulden auf. Können Sie als Ökonom – und als deutscher Steuerzahler – noch ruhig schlafen?

Zur Person

Prof. Dr. Dr. h.c. Lars P. Feld hat seit 2010 den Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik und Ordnungsökonomik an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i.Br. inne. Er ist ausserdem Direktor des Walter Eucken Instituts. Von 2021 bis 2024 wirkte er als persönlicher wirtschaftspolitischer Berater des Finanzministers Christian Lindner. Zuvor war er von 2011 bis 2021 Mitglied des «Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung». Feld sitzt im akademischen Beirat des IWP.

Mit «Sondervermögen» für Investitionen in die Infrastruktur, den Klimaschutz und die Verteidigung wird in Deutschland die Schuldenbremse umgangen – ist damit der Dammbruch eingetreten?

«Dabei ist Landesverteidigung eine Kernaufgabe des Bundes, die er nur ausnahmsweise über Schulden und ansonsten über Steuern finanzieren sollte.»
Lars P. Feld
Ende 2025 lag die Schuldenquote Deutschlands bei 63,5 % – weit unter dem EU-Schnitt von 81,7 %. Sind Ihre Warnungen vor einer deutschen Schuldenkrise nicht zu alarmistisch?

Deutschland hat zweifellos grossen Nachholbedarf bei Investitionen in die Verteidigung und die Infrastruktur. Wenn nicht über Schulden: Wie soll das Geld dafür Ihrer Meinung nach beschafft werden?

«Die Infrastruktur in Deutschland krankt nicht an zu wenigen Mitteln. Problematisch sind die langen Genehmigungsverfahren und die überzogene Regulierung.»
Lars P. Feld
Sie plädieren in Ihrem neuen Buch «Schuldenwende» zusammen mit Wolf H. Reuter für tiefgreifende Reformen in Deutschland. Welche Reformen sind aus Ihrer Sicht am dringendsten?

Sie schreiben auch von der hohen Regulierungsdichte, welche die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft beeinträchtigt – welche Rolle spielt dabei die Bürokratie aus Brüssel und wieviel ist hausgemacht?

«Berechnungen zeigen, dass Brüssel für etwas mehr als 40 Prozent der die Wirtschaft hemmenden Regulierung verantwortlich ist.»
Lars P. Feld
Glauben Sie, dass es in absehbarer Zeit politische Mehrheiten geben wird, um wirksame Reformen in Deutschland und der Europäischen Union durchzusetzen – oder braucht es dafür erst eine noch tiefere Krise?

Auch in der Schweiz wird momentan im Parlament die Finanzierung der Armee an der Schuldenbremse vorbei über «ausserordentliche Ausgaben» diskutiert. Wie beurteilen Sie diese Debatte vor dem Hintergrund der deutschen Erfahrungen mit dem Sondervermögen?